Weihnachten

Die Geburt Gottes im Menschen

Kein anderes Fest im Jahreskreis ist bei vielen Menschen so mit Erwartungen belegt wie das Weihnachtsfest. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, welch tiefes Mysterium damit verbunden ist.

Wenn Menschen aus unserem Kulturkreis Weihnachten feiern, begehen sie – oft ohne es zu wissen – ein sehr altes Fest, das ursprünglich der wieder steigenden Sonne, dem kommenden Licht gewidmet war.
Die frühen Christen haben Jesu Geburt ganz bewusst auf dieses Lichtfest gelegt. Das christliche Weihnachtsfest ist somit ein Symbol dafür, dass das Göttliche dem Menschen entgegen kommt – im Wunder der Licht-Geburt.

Der wieder steigende Sonnen-Geist klopft an die Menschenherzen an, um sie zu berühren.
Und es gibt immer solche Herzen, die sich nach anderen Werten sehnen, nach einer anderen, erneuernden Dimension in ihrem Leben. Somit ist Weihnachten in einem tieferen Sinn ein Fest der stillen Hoffnung und der freudigen Erwartung, das viele Menschen in den Neuanfang des nächsten Jahres hinüber trägt.

Mysterium hinter den Worten

„Stille Nacht Heilige Nacht“ – das Lied ist auf einmal in allen Radiosendungen zu hören und wird oft mitgesummt. Die Melodie kennt jeder, aber wer kennt noch ihre tiefe Bedeutung? Es verbirgt sich hinter den Worten ein Mysterium. Dieses Mysterium, das die Seele anrührt, hat mit dem Jetzt, mit dem Heute zu tun. Das Licht der Ewigkeit – die Wahrheit – scheint wie damals, so auch heute in die Finsternis der Welt.

Nun, was ist mit der Finsternis der Welt gemeint?
Es ist das Dunkel einer Welt, die sich wie sinnlos anfühlt, eine Welt des Nicht-Verstehens, eine Welt der Verwirrungen und der Täuschungen. Eine Welt, in der so viele Menschen sich fremd fühlen, und nicht mal verstehen können, woher dieses Gefühl kommen mag.
Der Mensch, der die Licht- und Wahrheitsimpulse – den „Stern von Bethlehem“- vernehmen und ihm folgen kann, wird zu einer neuen Mensch-Werdung eingeladen. Zu einer inneren Wiedergeburt.

Jesus – die neugeborene Seele

Das Weihnachtsgeschehen lässt sich so nicht auf ein Ereignis reduzieren, das in der Vergangenheit angesiedelt ist, selbst wenn die vielen Krippen diese alte Geschichte wieder beleben sollen: Die Geschichte von dem Jesus- Kind, das in einem Stall in Bethlehem geboren wurde und friedlich schläft zwischen Maria und Josef, seinen Eltern. Maria und Josef, das weibliche und das männliche Prinzip in jedem Menschenherzen, arbeiten schöpferisch zusammen und lassen sich vom Geist „befruchten“. Beide Prinzipen bewegen sich dem Licht entgegen, und so wird der geistige Funke im Herzen geweckt, – der „Sohn“ genannt.

Die Jesuskraft steht für die Bereitschaft, die neugeborene Seele hervorzubringen, sie erwecken zu lassen. Wird ein neues Licht-Bewusstsein geboren, dann kann einmal der Mensch zur Befreiung vom Rad der Geburt und des Todes geführt werden.

Wiedergeburt im eigenen Wesen

Wer annehmen kann, dass alle diese besprochenen Seelenbilder einen inneren Prozess beschreiben, der spürt dann, dass eine Wiedergeburt im eigenen Wesen möglich ist. Es geschieht natürlich nicht automatisch, denn der Mensch der das Licht zulässt, wird sich um ausdauernde Wachsamkeit bemühen und bewusst nach Selbsterkenntnis ringen.

Wenn die Hindernisse und die Trübungen in seinem Wesen
– im “Stall von Bethlehem” – sich auflösen,
wenn die Seele also „gereinigt“ ist, dann findet ein Abschied von allen Täuschungen und Illusionen statt, und der Mensch verliert die Gebundenheit an die äußere Welt oder Ego-Welt. So feiert die Seele, in einer „stillen Nacht“, ihr Zurückkehren zu der ursprünglichen, leuchtenden Heimat. Ein neuer Tag bricht an, eine neue Sonne steigt auf!

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