
Jan van Rijckenborgh (1896-1968)
Jan van Rijckenborgh (1896-1968) hieß mit bürgerlichem Namen Jan Leene. Als Mitbegründer und geistiger Leiter des Lectorium Rosicrucianum war sein Lebenswerk der Aufbau der Internationalen Schule des Goldenen Rosenkreuzes, zusammen mit Catharose de Petri (1902-1990).
Jan van Rijckenborgh wurde in den Niederlanden, in Haarlem, geboren. Schon früh suchte er intensiv nach Wahrheit und dem Sinn allen Lebens. Die unübersehbare Diskrepanz zwischen Kirchenglauben und Lebenspraxis, die der junge Jan Leene so oft bei Theologen und Gläubigen wahrnahm, entfernte ihn von der reformierten Kirche, der seine Eltern angehörten. Er griff die Kirche der Eltern nicht an, beschloss jedoch für sich, das Leben, das dort in der Theorie gepredigt wurde, in die Tat umzusetzen.
Wichtige Impulse fand er in den Aussagen des reformierten Predigers Professor Dr. Arnold Hendrik de Hartog (1869-1938). Hartog berief sich auf das Gedankengut Jakob Böhmes, dessen hermetischer Begriff der zwei Naturordnungen auch Jan van Rijckenborgh inspirierte und der bestimmend für seine geistige Ausrichtung wurde.
Geistige Wurzeln und entscheidende Begegnungen
Seine geistige Suche führte Jan Leene zusammen mit seinem Bruder Zwier Willem („Wim“, 1892-1938) in die Rozekruisers Genootschap, die niederländische Abteilung der Rosicrucian Fellowship Max Heindels. 1924 trat er in die Gemeinschaft ein, deren Leitung er 1929 übernahm. In das Jahr 1924 fiel auch seine Eheschließung mit Johanna Ames. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor.
In dieser Zeit beschäftigten sich die Brüder Leene intensiv mit den Texten von Helena Petrovna Blavatsky, Max Heindel und Rudolf Steiner, mit den Rosenkreuzer-Manifesten sowie mit den Schriften von Comenius und Paracelsus. Diese geistigen Strömungen bildeten neben den Werken Jacob Böhmes die Wurzeln der weiteren Entwicklung.
Am Weihnachtsabend des Jahres 1930 begegnete Henriette Stok-Huizer (1902-1990) den Brüdern Leene und schloss sich ihnen zu einer gemeinsamen „methodischen Pilgerfahrt“ an. Später nahm sie den geistigen Namen Chatharose de Petri an. 1935 lösten sich alle drei von der Rosicrucian Fellowship und gründeten zusammen in Haarlem die spätere Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes, das Lectorium Rosicrucianum.
Über die Haltung zu ihrer Arbeit und ihre Motivation schrieb Jan van Rijckenborgh:
„Wir führen eine wohlerwogene, methodische Pilgerfahrt durch. Wir wollen nicht mehr sterben, und wir wollen nicht leben. Wir wollen nirgends mehr gefunden werden, in keiner einzigen Sphäre dieser Naturordnung. … Wir haben diese Natur als eine Natur des Todes befunden. ... Also waren wir verpflichtet, objektiv und nicht nach Anleitung von Autoritäten das Tao des Altertums zu ergründen. ... Die Untersuchung zeigte deutlich, dass es außer dieser Naturordnung ein ursprüngliches Reich gibt, ein Reich weit außerhalb des nirwanischen Gebietes, ein Reich, welches sich sehr nachdrücklich von dieser Natur mit ihren beiden Sphären distanziert...“
Mit diesem Zitat wird die gnostische Botschaft Jan van Rijckenborghs deutlich, die zum Kernelement seiner Ausprägung der Rosenkreuzer-Lehre im 20. Jahrhundert wurde. Die eindeutige Ausrichtung und das klare Feuer, mit dem er diese Botschaft in unzähligen Ansprachen zu übertragen wusste, inspirierten und dynamisierten die Menschen, die ihm zuhörten. Stets legte er die Betonung auf den Aspekt der Verwirklichung: Nicht die Philosophie ist befreiend, sondern die Tat allein.
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