Wie praktizieren die Rosenkreuzer im Lectorium Rosicrucianum ihren spirituellen Weg?

Auf dem Weg des Rosenkreuzes durchschreitet der Kandidat viele Türen. Über der ersten steht: Erkenne dich selbst! Wer sein Herz für das Licht des Geistes öffnet, beginnt einen dynamischen Weg, der von der Selbsterkenntnis zur vollkommenen Lebenserneuerung führt.

Zum Lectorium Rosicrucianum gehören Männer und Frauen, die eine Sehnsucht nach geistiger Lebenserneuerung in sich tragen, nach Erkenntnis der universellen Mysterien – und nach einem praktischen inneren Weg, der ihrem Leben den lange gesuchten Sinn gibt.

Das Lectorium Rosicrucianum ist eine gnostische Geistesschule. Unter Gnosis verstehen die Rosenkreuzer die Erkenntnis Gottes, die sich auf dem Pfad der Einweihung in die Mysterien als Licht und Kraft direkt mitteilt. Das Lectorium Rosicrucianum ist eine Geistesschule, weil es nicht um die Mysterien der Persönlichkeitskultur geht und auch nicht allein um die Entwicklung der Seele, sondern um die Mysterien des Geistes.

Das Ziel ist die Verbindung der erneuerten Menschenseele mit dem ursprünglichen Geist Gottes, der im Menschen als ein Samenkorn – als eine Verheißung – angelegt ist. Dieses Ziel der Verbindung mit dem Keim des Geistes im eigenen inneren Wesen steht im Leben eines Schülers der Internationalen Schule des Goldenen Rosenkreuzes zentral. Es ist verbunden mit einer großen inneren Sehnsucht nach dem Licht des Geistes und der Erfahrung seiner Kraft. In der Praxis geht es darum, die Stimme der Seele und des Geistes im eigenen Wesen hören zu lernen und ihr im täglichen Leben Schritt für Schritt zu folgen.

Es beginnt mit Selbsterkenntnis

Am Anfang dieses Weges steht tiefgreifende Selbsterkenntnis, die zu stets fortschreitender Einsicht in die notwendigen Konsequenzen im Leben führt. Dieser Prozess wird individuell erlebt und verwirklicht und zugleich in einer Gruppe Gleichgesinnter gegangen. Spirituelle Gruppenarbeit ist die aktuelle Methode des Rosenkreuzer-Weges für den modernen Menschen.

Das Samenkorn des Geistes liegt im Herzen des Menschen. Es ist die geheimnisvolle „Rose“ der Rosenkreuzer, aus der die Kraft zum Gehen des Weges empfangen wird. Die Kraft der Rose teilt sich zuerst mit als ein unstillbares Sehnen nach etwas, das nicht von dieser Welt ist und das sich durch nichts aus dieser Welt befriedigen lässt. Mit dem Fortschreiten auf dem Pfad erwächst aus der Rose die Erfahrung eines innereigenen Raumes, in dem sich Stille, Licht und Erkenntnis Gottes (Gnosis) manifestieren. Diese Erfahrung erleuchtet das ganze Wesen mit der Kraft von Liebe und Weisheit und führt zu einer dynamischen Entwicklung.

Der Lebensschwerpunkt verlagert sich

Sobald das aus der Ewigkeit geborene Seelenbewusstsein in einem Menschen erwacht, weiß er sich durch seinen Geistfunken mit dem innersten Wesen aller Menschen eins. Für das Bewusstsein des Erwachten ist dies eine einfache, konkrete Realität. Je mehr er sich dieser Verbundenheit bewusst wird, desto mehr können die Notwendigkeiten, Nöte und Hindernisse seines persönlichen Lebens in den Hintergrund treten. Das ist die Auswirkung einer allmählichen Verlagerung seines Lebensschwerpunktes: Die Seele verbindet sich mit der Lichtkraft und befreit sich dadurch von Problemen, Angst und Egoismus.

Ein solcher Mensch wird zum Bewohner zweier Welten: Er steht mitten in der vergänglichen irdischen Welt und ist zugleich innerlich frei, da er in einem universellen geistigen Lebensfeld atmet. Als Mikrokosmos entstammt er ursprünglich diesem Lebensfeld, und er weiß sich nun aus dem erleuchteten Bewusstsein wieder damit verbunden. Er steht im „Strom des Lebenden Wassers“, im geistigen Lebensprana der neuen Zeit.

Erleuchtung ist nicht das Ziel, sondern die Voraussetzung

Bewusstseinserleuchtung ist für Rosenkreuzer kein Ziel in sich selbst, sondern die Voraussetzung für ein tätiges Leben im Dienst für Welt und Menschheit. Rosenkreuzer führen kein Leben in Weltabgewandtheit oder Einsamkeit, sondern stehen mitten im Leben. Sie sehen aber die Welt und ihren eigenen Lebensauftrag aus einem anderen Blickwinkel und setzen für sich selbst andere Akzente und Prioritäten. Dabei fragen sie ihr Herz: Was dient der Entwicklung von Seele und Geist, und was steht dem entgegen?

Wachsein ist alles

Die Antwort stellt sich ein als konkrete Lebenserfahrung. Für das Gehen des Pfades ist es wichtig, wach und bei vollem Bewusstsein zu sein, um die inneren Prozesse aufmerksam und so weit wie möglich ungetrübt verfolgen zu können. Deshalb wird auf Alkohol, Nikotin und Drogen verzichtet. Der Respekt und die Achtung vor den Lebewesen ist einer der Gründe, warum die Rosenkreuzer eine vegetarische Lebensweise wählen.

"Tempeldienste“ sind einer der zentralen Aspekte der spirituellen Arbeit innerhalb des Lectorium Rosicrucianum. Vorbereitet durch innere und äußere Stille, steht bei der Tempelarbeit die gemeinsame Besinnung und Konzentration auf Aspekte des Weges im Mittelpunkt. Der Tempel – ein geweihter Versammlungsraum – ist ein Ort der Kraft und der Begegnung mit dem Licht. Diese Begegnung und Verbindung mit ursprünglichen Schöpfungskraft, die allen Menschen gemeinsam ist, ermöglicht vertiefte Erkenntnis - Gnosis - und unterstützt die Schritte auf dem Pfad.

Tempeldienste für Schüler und Interessenten finden monatlich in den Zentrumsräumen statt, über die das Lectorium Rosicrucianum in vielen großen Städten verfügt. Schüler des Lectorium Rosicrucianums treffen sich darüber hinaus regelmäßig zu spirituellen Wochenend-Konferenzen in einem der großen Konferenzorte des Lectorium Rosicrucianums.

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