Kinder und Jugendliche im Lectorium Rosicrucianum

Jeder Mensch wird mit einem bestimmten inneren Auftrag in diese Welt hineingeboren. Im Jugendwerk, das dem Lectorium Rosicrucianum angegliedert ist, geht es darum, die Herzen der Kinder für ihren Auftrag offen zu halten, damit sie ihn eines Tages in Eigenverantwortung erkennen und als Erwachsene in Freiheit ihren eigenen Lebensweg wählen können.

An den Veranstaltungen des Jugendwerks im Lectorium Rosicrucianum nehmen hauptsächlich Kinder und Jugendliche teil, deren Eltern Mitglieder oder Schüler des Lectoriums sind. Die Teilnahme ist freiwillig und mit keinerlei Verpflichtungen oder Konsequenzen verbunden.

Im Rahmen des Jugendwerks gibt es besinnliche Zusammenkünfte (Jugenddienste) in den Tempelräumen des Lectorium Rosicrucianum, aber auch Musik, Spiel und Spaß, wie es der jeweiligen Altersgruppe angemessen ist. In den Sommerferien können die Kinder und Jugendlichen an internationalen Sommerwochen teilnehmen.

Bei all diesen Aktivitäten geht es darum, das Wesen der Kinder für ihren inneren Lebensauftrag empfänglich zu erhalten, damit sie die damit verbundenen Entscheidungen einmal in Eigenverantwortung treffen können, wenn sie volljährig sind. Mit 18 oder 19 Jahren endet die Zeit im Jugendwerk. Der junge Mensch entscheidet dann selbst, ob und in welchem Rahmen er weiter mit dem Lectorium Rosicrucianum verbunden bleiben möchte. Auf die vollkommene Freiheit jedes Jugendlichen wird dabei größter Wert gelegt.

Die innere Lebensaufgabe resultiert aus dem Verständnis der Rosenkreuzer, dass der Mensch ein zweifaches Wesen ist. Seiner stofflichen Offenbarung nach ist er sterblich und den Gesetzen der uns bekannten Welt mit ihrer Zweipoligkeit aus Gut und Böse, Liebe und Hass, Krieg und Frieden unterworfen. Er trägt aber in seinem Herzen ein Samenkorn des Ewigkeitswesens, mit dem er verbunden ist.

Aus diesem Samenkorn kann einmal eine neue, unsterbliche Seele erblühen, die „Rose“ der Rosenkreuzer, die sich dem Bewusstsein auf eine sehr besondere Weise mitteilt und wie ein innerer Kompass wirkt. Der Lebensauftrag des Menschen besteht darin, die Rose zum Blühen zu bringen, damit sie einmal den ursprünglichen Geist Gottes in sich aufnehmen kann und den Menschen zu einem vollkommen erneuerten Lebenszustand führt. Das ist, bildhaft gesprochen, der Weg zurück in das „verlorene Paradies“ der Seelenmenschheit.

Die Stimme der Rose ist sehr zart und fein, und Kinder, die noch unverbildet sind, besitzen dafür meist eine große Empfänglichkeit. Diese Stimme teilt sich ihnen spontan mit durch liebevolle Impressionen, als leiser Ruf des Gewissens und als Drängen zu innerer Verwirklichung.

Diese Sichtweise ist auch im Symbol des Jugendwerks erkennbar. Es bildet ein Herz ab, in dessen Mitte eine kleine Blume erblüht. Diese Blume wiederum ist von einem fünfzackigen Stern umgeben. Das bedeutet: Im Herzen liegt die Botschaft wie eine kleine, schlafende Knospe verborgen. Von dort ausgehend, kann sie sich zu einer prachtvollen göttlichen Blume entwickeln. Der fünfzackige Stern, das Pentagramm, ist ein Symbol für den vollkommenen Menschen, dessen Leben durch Seele und Geist geleitet wird.

Die Aktivitäten des Jugendwerks werden ehrenamtlich von Schülern des Lectorium Rosicrucianum gestaltet. Die Jugendleiter betreuen die Kinder und Jugendlichen und bemühen sich darum, die Bedeutung des inneren Lebensauftrags im Licht der Universellen Weisheitslehre in einer für Kinder und Jugendliche geeigneten Form zu vermitteln. Dadurch tragen sie etwas sehr Wesentliches zur Förderung und Unterstützung der kindlichen Entwicklung bei.

Während der Jugenddienste wird zum Beispiel über die Lehren der großen Menschheitslehrer gesprochen, wie Christus, Krishna, Buddha oder Hermes Trismegistos. Für die kleineren Kinder gibt es eine Fülle von Geschichten und Märchen, in denen die Universelle Weisheitslehre in bildhafter Form enthalten ist.

Häufig wächst in den Kindern und Jugendlichen dadurch schon früh die Fähigkeit, tiefer liegende Lebenszusammenhänge zu erkennen und ein ethisches Fundament für ihr eigenes Leben zu bauen.

An der jüngsten Gruppe, der „A-Gruppe“, nehmen die Kinder von 6 bis 9 Jahren teil. Sie hören Geschichten in märchenhafter Form, durch deren reine, ursprüngliche Bildersprache ihnen ein Bild der Seelenentwicklung nahegebracht werden kann. Das sichere Empfinden für Gut und Böse, Licht und Finsternis ist bei kleinen Kindern schon sehr lebendig. Das Wiederfinden des „verlorenen Paradieses“ steht wie ein klarer Leitstern vor ihren inneren Augen.

In der B-Gruppe, im Alter von 9 bis11 Jahren, beinhalten die Jugenddienste spannende und abenteuerliche Geschichten. Die Kinder dieser Altersgruppe erleben die Welt mit ihren Gefahren ganz bewusst, und sie beginnen auch, ihr eigenes Leben bewusst zu entdecken. Bereits viele junge Kinder fragen nach dem „Warum“. Ihnen werden kurze Erklärungen übertragen und Zusammenhänge anhand einfacher Beispiele und Gleichnisse erläutert, um der tief empfundenen Sehnsucht in ihren Herzen Nahrung zu geben.

Mit dem Beginn der Pubertät, im Alter von 12 bis14 Jahren, gehören die heranwachsenden Kinder in die „C-Gruppe“. In diesem Alter beginnt für Eltern und Kinder eine häufig konfliktreiche und sehr bewegte Lebensphase. In den Erzählungen, die den Jugendlichen in dieser Zeit während der Jugenddienste übertragen werden, erkennen und erleben die Jugendlichen sich selbst und die Dinge ihres Lebensumfeldes sehr deutlich. In lebensbejahenden Beispielen wird versucht, die Polarität der Welt mit Licht und Schatten und dem immer währenden Wechsel der Gegensätze verständlich zu machen. Die damit verbundenen Fragen werden in Gesprächskreisen gemeinsam bearbeitet.

In den Zusammenkünften der „D-Gruppe“, ab 15 Jahren, werden die Jugendlichen dann in zunehmendem Maß mit der Philosophie des Lectorium Rosicrucianum vertraut gemacht. Offen und direkt wird über die Lebensaufgabe jedes Menschen und auch über alles, was in diesem speziellen Alter wichtig ist, gesprochen.

Zu keiner Zeit werden im Jugendwerk des Lectorium Rosicrucianum irgendwelche Forderungen oder Bedingungen an die Jugendlichen gestellt. Selbst wenn sie im Alter von 18 Jahren ausscheiden, haben sie viel erfahren, erlebt und gelernt, was ihnen auf ihrem weiteren Lebensweg helfen kann, sich an ihren inneren Kompass zu erinnern.

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