Astrologie und Spiritualität

Möglichkeiten und Grenzen

Die Zahl der Menschen, die sich mit astrologischen Themen beschäftigen, insbesondere mit ihrem eigenen Horoskop, steigt seit Jahren an. Die Gründe dafür sind vielfältig. Was kann Astrologie leisten und welchen Begrenzungen unterliegt sie?

Schon im Altertum wussten die Menschen, dass die Zeit nicht nur eine Quantität darstellt, sondern auch eine Qualität besitzt. Sie erforschten die unterschiedlichen geistig-seelischen Kraftfelder, die von der Sonne und den Planeten – einschließlich der Erde - ausgehen und erkannten, dass sie die geistig-seelischen Eigenschaften der Menschen beeinflussen. Durchläuft die Erde beispielsweise den Frühlingspunkt, so hat dies einen fördernden Einfluss, durchläuft sie den Herbstpunkt, so hat dies verzögernde Auswirkungen. An den verschiedenen Punkten der Umlaufbahn zeigen sich immer wieder abwechselnd fördernde oder hemmende Einflüsse. Die verschiedenen Abschnitte – insgesamt sind es zwölf – in denen diese unterschiedlichen Einflüsse auftreten, ordnete man im Altertum denjenigen Sternzeichen zu,  die damals hinter diesen Abschnitten in der Umlaufbahn zu sehen waren. Es sind jedoch nicht diese Sternzeichen, welche die Einflüsse ausüben, sondern die sich ständig verändernden Winkelabstände, in denen die geistig-seelischen Kraftfelder der Sonne und der Planeten die Erde berühren. Daher wirken diese Einflüsse auch in der Gegenwart und in der Zukunft, selbst wenn inzwischen heute andere Sternzeichen hinter diesen Abschnitten stehen.

Hilfe zur Meisterung des Lebens

Wer sich nun mit den unterschiedlichen Qualitäten und Einflüssen der Sternzeichen und der Planeten beschäftigt, kann lernen, aus den Konstellationen die Qualität der Zeit abzuleiten.  Seit Jahrtausenden versuchen Menschen, auf diese Weise Einfluss auf den Verlauf ihres Lebens zu nehmen, indem sie beispielsweise bestimmte Aktivitäten während für sie günstiger Konstellationen durchführen oder umgekehrt, Aktivitäten während für sie ungünstiger Konstellationen unterlassen.  Sie suchen mithilfe der Astrologie Unterstützung bei der Meisterung ihres Lebens, sie versuchen, den verworrenen Fäden des sie umgebenden energetischen Netzes so gut es geht zu entkommen. Wer einmal entdeckt hat, dass er wie ein Gefangener in diesem Netz hängt, dass jeder Tag – ja jede Stunde – seines Lebens von diesen magnetischen Strahlen bestimmt wird, für den geht von dieser Möglichkeit eine große Verlockung aus, denn durch den Einblick in größere Zusammenhänge wähnt sich der Mensch bereits auf einem geistigen Weg.

Das Schicksalsnetz

An dieser Stelle stellt sich jedoch die Frage, wer dieses Netz denn überhaupt gewoben hat, in das wir Menschen  verstrickt sind und dem wir mithilfe der Astrologie oder anderer esoterischer Methoden wie Handlesen, Kartenlegen (Tarot) oder Pendeln versuchen, auf die Spur zu kommen.

Im Paulus-Brief an die Galater heißt es: „Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Mit diesen Worten wird ein universelles geistiges Gesetz ausgesprochen, das Gesetz von Ursache und Wirkung – auch Karma-Gesetz genannt. Nur selten reagiert dieses universelle Gesetz so schnell, dass man als Betroffener einen unmittelbaren Zusammenhang sieht zwischen der Wirkung, die man erfährt und der irgendwann gesetzten Ursache. Doch das liegt nur an unserer eingeschränkten Wahrnehmung. Franz Kafka drückt dies in einem seiner Aphorismen treffend aus: „Nur unser Zeitbegriff lässt uns das Jüngste Gericht so nennen, eigentlich ist es ein Standrecht.“

Wenn man darüber hinaus in seine Betrachtungen den Gedanken des Rades von Geburt und Tod – also die Reinkarnation – einfließen lässt, so öffnet sich ein noch weiterer Blickwinkel auf das, was wir Schicksal nennen.

Die Selbstbezogenheit des Menschen

Der persische Gnostiker Mani hatte diesen Blickwinkel als er schrieb: „Jeder Mensch steht und verharrt, wo er sich selbst hingeführt. Jeder Mensch ist ein Nachfolger seiner eigenen Werke. So geht er und kehrt wieder und bereitet aus seinen Taten sein Schicksal.“ Kein Mensch kommt demnach als unbeschriebenes Blatt in diese Welt, denn jeder beginnt seinen Weg dort, wo die Erfahrungen des Vorlebens endeten.

Welcher Art sind die Werke, die sich dem Menschen später als Karma oder Schicksal entgegenstellen? Es sind immer Gedanken, Wünsche und Taten, die der Aufrechterhaltung oder Ausweitung des natürlichen Lebenstriebes gelten, der  Sicherung und Instandhaltung persönlicher Interessen. Selbstbezogenheit ist das zugrunde liegende Motiv.  So wird auch die Astrologie in diesem Sinne benutzt. Um sein Leben in dieser Natur möglichst dauerhaft und bequem einzurichten, wird der Mensch immer wieder neue Ursachen setzen. Das aber bedeutet, dass er an diese Natur gebunden bleibt. Astrologie ist ein Produkt dieser Natur und somit ebenfalls an diese Natur gebunden. Sie gehört zum Kosmos der Erde und ist nur in diesem Feld wirksam. Auf diese Weise ist es also nicht möglich, das Netz der Schicksalsgebundenheit zu zerreißen.

Der Ausweg aus dem Schicksalsnetz

Doch es gibt einen Weg, um dem Rad von Geburt und Tod zu entkommen.  Diese Möglichkeit hängt damit zusammen, dass der Mensch ein zweifaches Lebenssystem ist, dem ein göttlicher Plan zu Grunde liegt. Er ist in Wahrheit ein Mikrokosmos mit einem zentralen geistigen Kern und einer innewohnenden natürlichen Persönlichkeit. Die Aufgabe der Persönlichkeit diesem Plan zufolge ist es, dem göttlichen Kern zur Entfaltung zu verhelfen und das gesamte Lebenssystem seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen

Wenn der Mensch beginnt, sich als Mikrokomos zu begreifen und sich auf seinen tiefsten Kern besinnt - seine spirituelle Identität, die wie ein Samenkorn in seinem Herzen existiert - dann beginnt ein tiefgreifender Prozess der Verwandlung. Dieses Samenkorn ist das „Königreich Gottes“ im Menschen.  Wer es nach langem Umherirren in dieser Welt in sich entdeckt, der geht einen spirituellen Weg. Auf diesem Weg wird sich das Samenkorn entfalten, und in seiner Kraft können sich die Verstrickungen mit und in dieser Welt allmählich auflösen. Ein solcher Mensch versucht nicht mehr, sich in dieser Natur zu behaupten durch allerlei vielversprechende Angebote für seine persönlichen Interessen.

Stattdessen verbindet er sich  mit den energetischen Strahlungen und Kräften der unsichtbaren göttlichen Welt und ihrem Tierkreis. Dieser göttliche Tierkreis ist mit den Methoden der Astrologie nicht wahrnehmbar und nicht erfassbar. Nur ein im göttlichen Geist erneuertes Bewusstsein macht schrittweise darin Erfahrungen. Dadurch harmonisieren sich alle Aspekte des irdischen Tierkreises und führen zu einer anderen Wirksamkeit. So wird sich das wahre göttliche Selbst entfalten, und der Mikrokosmos kann, umgeben vom neuen Tierkreis, zu seiner endgültigen Bestimmung zurückkehren.

Ein solcher Wandlungsprozess wurde zu allen Zeiten in den Mysterienschulen gelehrt und praktiziert. Er ist auch Gegenstand der Bemühungen des Goldenen Rosenkreuzes.

 

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