Von der inneren Schau zum geistigen Erwachen

Erleuchtung, Teil 6

Wenn im Kandidaten die neue Seelengestalt vollendet ist, wird er sich zum ersten Mal des universellen Lichtes bewusst. Diese Erfahrung wird als Erleuchtung bezeichnet. Sie ist nicht das Ende, sondern der Beginn einer vollkommenen Verwandlung des Menschen.

Im Verlauf des Einweihungsprozesses entsteht eine neue Seelengestalt, und das Bewusstsein des Kandidaten identifiziert sich mit dieser Seelengestalt. So wird sein Leben immer stärker davon beeinflusst, und in seinen Gedanken, seinen Empfindungen und Willensaktivitäten gibt er sich an diese neue Beseelung hin. Daher wird sein gesamtes Innenleben mit all den vielen Impulsen deutlicher und transparenter. Die innere Schau ermöglicht es ihm, auch die verborgenen Seiten des Unterbewusstseins zu erkennen und darauf so zu reagieren, dass die Seelengestalt keinen Schaden nimmt, sondern im Gegenteil wachsen kann. Ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge seines eigenen Lebens gibt ihm das Vertrauen in den Prozess seiner Entwicklung und lässt ihn weiter daran mitwirken.

Das „goldene Hochzeitskleid“

Wenn dann die Seelengestalt, die man in der Mysteriensprache auch als „goldenes Hochzeitskleid“ bezeichnet, zur Vollendung gekommen ist, erwacht der Kandidat in einem neuen Bewusstseinszustand. Dieses Erwachen beginnt mit einer intensiven Lichterfahrung. Es ist die Erfahrung einer Strahlung, die das gesamte Bewusstseinszentrum mit all seinen Organen gleichsam erleuchtet. Die Augen der Seelengestalt öffnen sich und der Kandidat sieht das Licht zum ersten Mal unmittelbar, ein strahlendes, herrliches, universelles Licht, das jeden Schatten und jede Finsternis vertreibt. Jetzt ist die Seele tatsächlich wiedergeboren. Man spricht auch von der „zweiten siderischen Geburt“.

Der Kandidat weiß jetzt aus eigener Anschauung, dass er ein „Sohn des Lichtes“ ist. Er besitzt nun wahre Erkenntnis über seinen Ursprung und sein Ziel. Durch die neue Bewusstwerdung werden auch alle bisherigen Erfahrungen, Sichtweisen und Erkenntnisse gleichsam gelöscht und die Bindung an alte Strukturen und Muster zerbrochen. Die Erleuchtung als erster und fundamentaler Kontakt mit der nirvanischen Daseinsebene ist gleichzeitig ein Durchbruch in die Welt der Ursachen – der Ursachen, die die Erscheinungen hervorbringen, welche sich in unserem Daseinsgebiet zeigen, einschließlich unserer eigenen natürlichen Existenz.

Durch diese Erfahrung beginnt ein neuer Abschnitt in der geistigen Entwicklung, der bis in die stoffliche Erscheinung des Kandidaten reicht. Es geht jetzt um die eigentliche Verwandlung, die Transfiguration.

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