Teil 1: Das Licht berührt das Herz

„Der Schlüssel zum Pfad der Erneuerung ist der Glaube“

Um sich der Vision eines neuen Menschseins annähern zu können, ist es nötig, alle Erfahrungen und Vorstellungen vom Menschen, wie er heute existiert, beiseite zu legen und ganz neu zu beginnen.

Beim neuen Menschen handelt es sich nicht um den „Menschen 2.0“, gleichsam einer technisch hochgerüstete Variante, sondern um eine absolute Neuschöpfung. Auch ist es nicht die Vision eines Menschen der Zukunft, sondern ein Neubeginn, der jederzeit, hier und heute von jedem Menschen in Gang gesetzt werden kann. Eine alte Weisheit sagt: Nur aus einem neuen Samen entsteht ein neues Sein. Das heißt, dass der heutige unvollkommene und sterbliche Mensch keine Grundlage für eine qualitative Höherentwicklung bietet. Wirklich neues Menschsein erhebt sich über Raum und Zeit und verlässt die irdische Evolutionslinie. Wer ein Modell des neuen Menschen sucht, wird in den Weisheitslehren der Völker fündig. Dort wird der neue Menschentyp mit Unsterblichkeit, Vollkommenheit und mit Gottes Ebenbild assoziiert.

Ein geistiger Kern als Same

Die Philosophie des Rosenkreuzes beschreibt es so:
Das Wesen jedes Menschen besitzt einen geistigen Kern, vergleichbar mit dem Stein in einer Frucht, umgeben von Fruchtfleisch und Schale. Der spirituelle Weg zum neuen Menschsein beginnt in diesem geistigen Kern. Dieser Same reift, bringt eine Blüte zur Geburt und führt über sieben Entwicklungsstufen zur Vollendung des neuen Menschen. Diese „Frucht“, herangewachsen inmitten des „alten“ Menschen, ist jedoch kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern der geistige Mitbewohner im „Haus“ des Menschen, das oft als Mikro-Kosmos bezeichnet wird. Er ist das verbindende Glied zwischen der Welt der Materie und den hohen Sphären göttlichen Seins. Eine Formel der Rosenkreuzer lautet: „Aus Gott werden wir geboren“. Der Ausgangspunkt der Bemühungen auf dem spirituellen Pfad ist also nicht die irdische Persönlichkeit, sondern der göttliche Same im Herzen des Menschen. Er ist die tragende Basis für alle weiteren Schritte.

Vom Funken zur Flamme

Es beginnt mit dem Glauben. Viele heilige Schriften betonen, dass Glauben nicht das Bekennen oder Annehmen einer Lehre oder einer Kirche, einer Schule oder eines Gottes ist, sondern sich auf einen Besitz bezieht, dessen man sich bewusst sein muss. Er wird im Herzen erfahren. Das bedeutet, dass der geistige Kern, der Geistfunke, belebt werden muss. Bevor dieser nicht erweckt ist, gibt es keinen Glauben im beschriebenen Sinn.

Die Aktivierung des Funkens im Herzen erhöht die Vibration mehr und mehr, der Funke wird gleichsam zur Flamme. Die „Kraft der Ewigkeit“ durchdringt von dort aus allmählich alle Teile der Persönlichkeit. So entsteht eine gewisse Eignung zu einer veränderten Lebenshaltung, früher Tugend genannt. Das hat mit Moral und sozialer Intelligenz nichts zu tun, sondern der Mensch richtet sich spontan auf die Impulse des inneren Lichtes.

Es ist eine freiwillige Übergabe des Ego an die geistige Kraft. Wenn der Geistkern im Herzen durch Selbstübergabe mit seiner heiligen Arbeit beginnt, und der Mensch sich auf dieses Licht einstellt, dann erst gibt es Erkenntnis im Sinn der Heiligen Schrift. Das Bewusstsein wird erleuchtet und teilt sich als inneres Wissen dem Denken und Fühlen mit. Die Quelle der Weisheit liegt also nicht im Verstand, im gewöhnlichen Denken oder im Gedächtnis. Das erneuerte Bewusstsein bildet die Brücke zwischen Persönlichkeit und innerem Geistmenschen. So durchlebt ein Rosenkreuzer einen Prozess der Wechselwirkung zwischen Erfahrung und Einsicht, aus dem seine Bewusstseinsentwicklung resultiert und in eine praktisch gelebte Spiritualität mündet.

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