Engel

Boten aus höheren Welten

Bei dem Bemühen, ihr Leben zu meistern und den Sinn ihrer Existenz zu vestehen, suchen viele Menschen Unterstützung durch höhere Wesenheiten, die man unter dem Begriff "Engel" zusammenfassen kann. Doch wer hilft da eigentlich bei was - und zu welchem Preis?

Engel in der Bibel

Wenn in der Bibel von Engeln berichtet wird, sind damit keinesfalls sinnlich wahrnehmbare Erscheinungen und vor allem keine Dienstboten zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse gemeint. Engel kann man als Kräfte verstehen, die aus der geistigen Welt stammen, um spirituelle Impulse in die Welt zu setzen. Dabei scheinen unterschiedliche Engelwesen auch unterschiedliche Aufgaben zu haben.

Erzengel Michael zum Beispiel steht für die göttliche Wahrheit und scheidet so die duale Sphäre unserer irdischen Welt von der Sphäre des reinen göttlichen Lichtes.

Weitere Kräfte Gottes, in der Bibel ebenfalls häufig als Engel bezeichnet, haben andere Aufgaben. So kündigt beispielsweise Gabriel (übersetzt: "Kraft Gottes") als himmlischer Bote spirituelle Impulse aus der göttlichen Welt an. Er ist der Engel, der in der biblischen Geschichte Maria auf die Empfängnis und die Geburt Jesu vorbereitet.

Die Botschaften der Engel sind geistiger Natur

Die Impulse, die der Erzengel Gabriel oder andere Engel als Boten Gottes übermitteln, setzen beim Adressaten eine Empfänglichkeit für die Kräfte aus der geistigen Welt voraus, also eine bestimmte innere Ausrichtung. Die Botschaften der Engel offenbaren sich dabei nicht anhand äußerer Erscheinungen, sondern in Form tiefer innerer Erkenntnisse.

Diese Einsichten steigen aus einer weitgehend unbekannten Schicht unseres Wesens in uns auf: aus dem inneren "Geistfunken", den die Rosenkreuzer auch "Rose des Herzens" nennen. Auf diese Weise leiten die geistigen Impulse in den hiervon berührten Menschen einen Prozess der inneren Umwandlung und spirituellen Erneuerung ein.

Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind

Fällt es uns oft schon schwer, physische Erscheinungen auf ihre Echtheit hin zu überprüfen, so ist die Prüfung von geistigen Impulsen und Botschaften noch viel schwieriger. Daher heißt es auch im ersten Johannesbrief: "Glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt."

Der Mensch kann sich durch methodisches Üben (okkultistische oder spiritistische Praktiken, Channeling) oder manchmal sogar spontan in Seelenzustände versetzen, die eine Verbindung mit der uns unbekannten Hälfte der Welt - dem Jenseits - herstellen.

Er wähnt sich dann im Dialog mit der göttlichen Sphäre, mit Engeln oder noch höherstehenden geistigen Wesenheiten, die gegebenenfalls sogar durch ihn sprechen. Sie geben dann vor, der Menschheit eine Botschaft übermitteln zu wollen.

In Wirklichkeit steht ein solcher Mensch jedoch nur in Kontakt mit dem Jenseits, dem Reich der Toten. Hier wissen sich manche Verstorbene länger aufzuhalten, als ihnen eigentlich zugemessen ist. Diese Wesen trachten danach, dem Kreislauf von Geburt und Tod zu entkommen, indem sie Bewohnern des Diesseits - uns Menschen also - seelische Energien entziehen.

Durch wiederholte mentale, emotionale und willentliche Beeinflussung ihrer "Anhänger" holen sie sich deren seelische Energie, die sie benötigen, um sich im Jenseits zu behaupten. Denken, Empfinden und Wollen der Menschen sind für die jenseitigen Wesenheiten wie ein offenes Buch, in dem sie ungehindert lesen können.

Täuschungsversuche aus dem Jenseits

Vor diesem Hintergrund geben sich solche Wesenheiten dann häufig als Engel aus oder als besonders erhabene, weitentwickelte Seelen. Sie knüpfen an den Wünschen und persönlichen Interessen der Menschen an und ködern sie mit der Vorstellung, wichtig zu sein oder eine besondere Aufgabe für die Menschheit zu haben. Sie verbreiten so ihre eigenen Scheinweisheiten über das Schicksal und über Gott und binden die Betroffenen an sich.

Menschen, die völlig arglos an diese "Engelbotschaften" glauben und die dahinterstehenden Wesenheiten wiederholt zurate ziehen, geraten mit der Zeit in eine zunehmende Abhängigkeit. Hierfür bezahlen sie einen hohen Preis. Denn durch die unkritische Übernahme der fremdvermittelten "Weisheiten" wird die wahre Kenntnis Gottes und seines Plans mit dem Menschen - die Gnosis - erschwert oder sogar verhindert. Diese Kenntnis, die nur aus dem göttlichen Samenkorn im eigenen Herzen aufsteigt, will nämlich selbst errungen sein.

Die Einladung zur "Alchimischen Hochzeit" als göttliche Botschaft

Wie verhält es sich dagegen mit erkenntnis- und lichtbringenden Botschaften und deren geistigen Impulsen? Wie kann man sie von den Scheinweisheiten aus dem Jenseits unterscheiden?

In einer verschlüsselten Erzählung der Rosenkreuzer aus dem 17. Jahrhundert tritt eine Frau von engelhafter Gestalt als Botin aus der göttlichen Welt auf, um dem geistigen Sucher Christian Rosenkreuz eine Einladung zur "Alchimischen Hochzeit" zu überbringen.*) Spirituell betrachtet lässt sich diese "Alchimische Hochzeit" als essenzielle Vereinigung der Seele mit dem Geist verstehen.

Der Engel richtet sich mit seiner Botschaft nicht an das Ich-Bewusstsein von Christian Rosenkreuz. Die Einladung schmeichelt daher auch nicht dessen Ego, sie verspricht keine Erfüllung persönlicher Bedürfnisse, sie verhilft auch nicht dazu, das irdische Leben erfolgreicher zu gestalten. Vielmehr wendet sich die Einladung der lichtvollen Botin an den innersten geistigen Kern des Protagonisten - an die Rose des Herzens.

Diese Einladung ist eine Aufforderung an Christian Rosenkreuz, sein altes Leben der Ich-Bezogenheit hinter sich zu lassen. Er wird vor den Auftrag gestellt, auf der Basis seiner Rose des Herzens und des sich jetzt offenbarenden neuen geistigen Kraftfeldes den Weg der Selbsteinweihung zu gehen. Demzufolge erlebt Christian Rosenkreuz diese innere Begegnung mit dem Engel als eine tiefgreifende Erschütterung.

Der Weg der Selbsteinweihung

Christian Rosenkreuz ist dabei in erster Linie nicht als historische Person anzusehen. Man kann in ihm viel eher den Prototyp eines Menschen erkennen, der sich auf den Weg der Selbsteinweihung begibt. Das tut er ausschließlich in der Kraft des kosmischen Christus, des unterstützenden Bezugsfeldes für alle, deren innerster Seelenaspekt erwacht. Ein solcher Weg wurde und wird zu allen Zeiten in den Mysterienschulen gelehrt und praktiziert. Formal lässt er sich in fünf Phasen unterteilen, die von jedem geistigen Sucher - mitten im Leben stehend - erfahren werden können.

In der Regel beginnt der geistige Weg, wie oben beschrieben, mit einer seelischen Erschütterung. Sie wird ausgelöst durch die Erkenntnis, dass das eigene begrenzte Ich-Bewusstsein von der göttlichen Wahrheit und deren unmittelbaren Erfahrung abgeschnitten ist.

Diese Selbsterkenntnis führt zu der tiefen Sehnsucht, dem innerlichen Drängen, wieder mit der Gottesnatur verbunden zu sein.

Daraufhin wächst im Menschen die Bereitschaft, sich von der Christus-Kraft, dem selbstlos ausstrahlenden Feld reiner Liebe, verwandeln zu lassen.

Schrittweise nimmt der Mensch nun eine neue Lebenshaltung an, mit der er sich den Jesus-Worten annähert: "Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe."

Er vollendet schließlich seinen Weg nach vielfachem Hinfallen und Wiederaufstehen. Die alchemische Verwandlung nach Geist, Seele und Körper ist dann vollbracht. Am Ende wird er wie Christus sagen können: "Der Vater und ich sind Eins."

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*) Die Alchimische Hochzeit des Christian Rosenkreuz, Teil 1,  DRP-Verlag 1983

 

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