Die Confessio Fraternitatis RC

Das Bekenntnis der Bruderschaft des Rosenkreuzes

Die Confessio Fraternitatis RC gehörte zu jenen Schriften, die am Vorabend zum 30-jährigen Krieg einen Sturm in der gelehrten Welt Europas entfachten. Diese Schriften der Bruderschaft des Rosenkreuzes hatten eine zweifache Wirkung auf die Gelehrten. Anonym in der Welt ausgestreut, reagierte in der akademischen Welt die eine Gruppe mit einem Sturm der Entrüstung. Eine zweite Gruppe machte sich auf den Weg, diese Rosenkreuzer zu finden, um sich ihnen anzuschließen.

Die Spaltung der gelehrten Welt in Europa

So fuhr in der Folge eine ganze Flut von Rosenkreuzerschriften wie ein Spaltkeil in die gelehrte Welt Europas. Die Menschen, die in der Welt etwas zu verlieren hatten, sei es materiell oder geistig, waren an dieser universellen Weisheit gar nicht interessiert. Sie hatten sich vergängliche Werte und eine angesehene Stellung in ihrem Leben erworben, die zwar mit ihrem Tod wieder vergehen würden, aber einem verdunkelten und angstvollen Bewusstsein Sicherheit gaben. Sie ahnten nicht, dass sie in einer Welt gefangen waren, der ein Krieg bevorstand, in dem viele von ihnen diese errungenen Werte wieder verlieren würden. Sie mussten daher diese Texte, legten sie doch den Finger in die Wunde einer endlichen Welt, als bedrohlich empfinden.

Diese ganze Atmosphäre jener Zeit als Aufbruchsstimmung zu verstehen, bedeutete für die Befürworter, sie als einen Fingerzeig Gottes zu nehmen. Für sie kam in den Schriften der Rosenkreuzer neben einem Aufruf zu einer abermaligen Reformation auch die Enttäuschung zum Ausdruck, dass wieder einmal die enge menschliche Welt gesiegt hatte. Die Impulse einer lutherischen Reformation waren im Keim erstickt, und der Versuch einer geistigen Erneuerung war in den Bahnen althergebrachter Religiosität versandet.

Der universelle Geist der „Confessio“

Die Reaktion der Gelehrten Europas auf die Schriften der Rosenkreuzer und besonders auf die „Confessio“ zeigte, wie schwierig es war, sich damals wirklich verständlich zu machen. Die Rosenkreuzer traten anonym an die Öffentlichkeit, da ihnen sehr wohl bewusst war, dass Gedanken, wie in der „Confessio“ niedergeschrieben, mit dem Leben bezahlt werden mussten. Doch das war nicht das einzige Problem. Die Inhalte der Texte können nur von einem Bewusstsein erfasst werden, das sich auf gleicher Ebene befindet. Man muss also zu dem werden, was dort gesagt ist. So konnten die Rosenkreuzer ihre Schätze offen anbieten, da Außenstehende sie nur als Spinnerei abtaten. Die Bruderschaft erhob ihre Stimme in drei aufeinander folgenden Schriften, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter der Hand in ganz Europa kursierten. Es kam darin eine Wirklichkeit zum Ausdruck, die in den Geist der universellen Einheit eingebettet war, und in dem sich Zeit und Ewigkeit auf das Intensivste durchdrangen. Dieser Geist wurde von den einen sehnsüchtig gesucht und von den anderen fanatisch gehasst und verfolgt. In der einen Gruppe erzeugte die Figur des Christian Rosenkreuz eine intensive Sehnsucht nach höchster Menschwerdung und in der anderen eine tiefe Angst, all das zu verlieren, was an Werten mit viel Mühe erarbeitet worden war.

Die Welt der Gelehrten heute

Zwischen damals und heute liegt das Zeitalter der Aufklärung mit einer beispiellosen Entwicklung der Naturwissenschaften. Diese Wissenschaften sind heute so abstrakt wie nie zuvor, und nur wenige können das dort Erkannte wirklich erfassen. Und doch bauen sie mit den Erfindungen, die aus ihren Erkenntnissen resultieren, eine Welt, in der Raum und Zeit immer weniger als Hindernisse wahrgenommen werden. Virtualität und Realität durchdringen sich immer mehr. Die ganze Popularität der Wissenschaft fußt nicht wirklich auf einem Verstehen der Erkenntnisse, sondern auf den Vorzügen, die Millionen von Menschen täglich durch ihre Anwendung erfahren.

Hat sich damit der alte Kampf um die Überwindung von Raum und Zeit erledigt? Auf den ersten Blick hat sich viel verändert. Doch die Hürde, die Schriften der Rosenkreuzer zu erfassen, ist nicht wirklich kleiner geworden. So stehen die Rosenkreuzer aktuell nicht weniger als Spinner da, als vor 400 Jahren. Doch ihre aus der Ewigkeit inspirierten Gedanken sind heute genau so lebendig und Sehnsucht erzeugend wie damals.

Wirklichkeit und Realität

Wo leben diese Gedanken und Bilder, dass sie immer wieder zu bestimmten Zeiten in der Entwicklung der Menschheit auftauchen? Dazu ist es vielleicht notwendig, den Menschen als Mikrokosmos zu betrachten. Mikrokosmos ist hier im Verhältnis zum Makrokosmos, dem Weltall, ebenso als ein für unser Vorstellungsvermögen unendlich ausgedehnter Raum zu verstehen.

Es gibt Biologen, die betrachten die Insektenwelt als Mikrokosmos und Quantenphysiker, welche die Welt der Quanten als einen Mikrokosmos erkennen. Diese Welt der Quanten ist ein Mikrokosmos, der uns ähnlich viele Rätsel aufgibt wie der Mikrokosmos, in dem der Mensch lebt. Auch der Mensch trägt alle diese Ebenen und Phänomene in sich.

Es ist aber sehr unterschiedlich, was bei jedem Menschen davon im Bewusstsein verankert ist, und damit auch für sein Weltbild nutzbar wird. Die Realität ist für eine bestimmte Gruppe von Physikern der Teil der Welt, der eine feste objektive Form hat. Die Realität beschreiben alle in der gleichen Weise. Aber schon im Hinblick auf die dahinter wirkende Wirklichkeit sieht jeder etwas anderes. Während der Quantenphysiker weiß, dass die Materie und damit unsere Realität gar nicht existiert, ist ihr Bestehen für die meisten Menschen existenzielle Wirklichkeit. Für sie ist nur das wirklich, was man anfassen kann und von dem man weiß, dass es auch morgen noch da ist. Für sie ist Realität und Wirklichkeit das Gleiche oder zumindest ähnlich.

Die Beschreibung der Welt des Quantenphysikers ähnelt da mehr den Beschreibungen in den alten Schriften der Religionen. So liegt der Schluss nahe, dass die Autoren der alten Heiligen Schriften durch Beobachtung ihrer Innenwelt zu gleichen Ergebnissen kamen wie die modernen Physiker mit ihren Teilchenbeschleunigern. Den Zugang zu dieser inneren Wirklichkeit scheinen auch die Verfasser der „Confessio Fraternitatis“ gehabt zu haben. So kann man zu dem Schluss kommen, dass Wirklichkeit sehr eng an das Bewusstsein geknüpft ist. Das Bewusstsein ist sehr dehnbar. Es kann sich mit den Grenzen der Persönlichkeit zufrieden geben oder sich bis ins Unendliche ausdehnen.

Bewusstsein als Schlüssel zum wahren Leben

Bewusstsein ist also der Faktor, der unser unsichtbares Gefängnis bestimmt, das wir Leben nennen. Es ist ein Gefängnis, das keine Gitterstäbe hat und damit nur selten wahrgenommen wird. Die Menschheit besitzt aber den Schlüssel, um diese Gefängnisse zu öffnen. Die Heiligen Schriften aller Religionen – und für die Rosenkreuzer die Bibel – sind solche Schlüssel, die, kombiniert mit der Sehnsucht nach Freiheit, viel bewirken können.

Die „Confessio“ bietet deshalb dem strebenden Menschen die Bibel als Richtschnur an. Sie kann eine erste Krücke zur Überwindung von Angst und Dunkelheit im eigenen Wesen sein. Sind dann aber die ersten Stufen der Orientierung überwunden, zeigt die „Confessio“ neue Ebenen der Kommunikation auf.

Für die Rosenkreuzer gibt es keinen leeren Raum, weil alles, wenn es auch leer erscheint, angefüllt ist mit Information. Diese Informationen werden makrokosmisch durch die Sternbilder sichtbar. Serpentarius, das Bild, das die Rosenkreuzer erwähnen, ist das dreizehnte Sternbild und wird damit historisch als Pforte in eine neue Zeit gesehen. Das Besondere zu jener Zeit war, dass in diesem Sternbild eine Supernova Explosion stattfand und damit Cygnus – ein neuer und mit bloßem Auge sichtbarer Stern – am Himmel erschien. Für die Rosenkreuzer galt er als der Vorbote einer neuen Zeit. Solche Zeichen als Sendboten Gottes zu sehen, ist nichts Neues, und jeder Leser muss seine eigene Antwort auf solche Zeichen finden.

Die Alchemie des Bewusstseins

Die „Confessio Fraternitatis“ enthält eine ernstliche Warnung, sich erst gut auf den nächsten Schritt vorzubereiten, bevor man mit seiner Sehnsucht die Kräfte aufruft, die für diesen Schritt notwendig sind. Früher sprachen die Alchemisten in diesem Zusammenhang über Substanzen wie die „Quinta Essentia“, den Fünften Äther oder auch Feueräther. Er wurde gebraucht, um Gold zu machen. Für die Rosenkreuzer waren das ganz selbstverständlich rein geistige Substanzen. Sie verabscheuten die alchemistischen Scharlatane, die Alchemie erlernen wollten, um materielles Gold und damit Reichtum zu erwerben. Heute würde man diese Substanzen eher als Strahlung bezeichnen. In der Quantenphysik spricht man von einer allgegenwärtigen Hintergrundstrahlung, die man zwar nicht messen kann, die aber auf Grund der Untersuchungen in der Teilchenphysik doch angenommen werden muss.

Eine Warnung zum Schluss

Es macht wenig Sinn, sich über Begriffe und Symbolik zu streiten, da es letztlich nicht darauf ankommt, sondern auf eine innere Transformation, die es jedem Menschen ermöglicht, irgendwann wieder alle Dimensionen menschlichen Seins zu bewohnen, für die er ursprünglich von Gott geschaffen wurde. Damit er auf dem Weg dorthin nicht zu Schaden kommt, sind ein reines Gemüt und ein reines Herz erforderlich. Damit zu beginnen ist die Warnung der „Confessio Fraternitatis“.

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