Die Chinesische Gnosis (7 bis 9)

Kommentare zum Tao Teh King von Lao Tse

In den Texten des Lao Tse verbirgt sich eine Weisheit, die der Mensch in sich selbst freilegen kann – ohne Mittler, ohne Priester. In Kapitel 7 bis 9 erläutern Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri diesen Weg.

Kapitel 7

Der Makrokosmos währt ewig.
Er kann ewig währen,
weil er nicht für sich selbst lebt.

Darum stellt der Weise sich selbst
hinter den Anderen
und wird daher eins mit dem Ersten.

Er löst sich von seinem Körper
und wird seinen Körper dadurch behalten.
Das geschieht, weil er keinen Egoismus kennt.

Die eigenen Belange fördert er
durch Mangel an Egoismus.

Das göttliche Gesetz

Der Makrokosmos, die All-Offenbarung währt ewig. Jede Erscheinung darin ist zwar der Veränderung und Wandlung unterworfen, jedoch führt diese Veränderung oder Wandlung niemals zum Beginn zurück. Es wird keineswegs von vorn begonnen, wie wir es in der Welt der Dialektik kennen. Die All-Offenbarung entwickelt sich. Jede Veränderung ist ein Fortschritt, eine Verbesserung, das Ersteigen einer Stufe, die stets höher und weiter führt. Nur in der Ewigkeit gibt es Evolution. Die Persönlichkeit, der körperliche Mensch war am Anfang ein Instrument, geschaffen, um einer leitenden Intelligenz die Gelegenheit zu schenken, mit diesem Instrument Erfahrungen zu sammeln, alles zu vervollkommnen, der Gnosis zu dienen. Diese leitende Intelligenz ist der wahre Mensch, der einzige Gott. Das Instrument ist durchgedreht und nennt sich Mensch. (…)

Der Weise stellt sich selbst hinter den Anderen, hinter den einzigen, innerlichen Gott. Er unterwirft sich als Geschöpf diesem Gott in sich. In vollkommener Selbstübergabe geht er unter im Tal des Lebens.

 

Kapitel 8

Die rechte Lebenshaltung gleicht dem Wasser.

Das Wasser ist überall und an allen Orten.

Es ist auch an jenen Orten,
die von den Menschen verachtet werden.

Darum nähert sich der Weise Tao.

Er wohnt am rechten Ort.
Sein Herz ist tief wie ein Abgrund.
Seine Liebe ist vollkommen.

Er steht in der Wahrheit und erfüllt Wahrheit,
ist zum Regieren berufen, hält Ordnung.
Seine Handlungen verrichtet er gut.

Er tritt zur rechten Zeit in Aktion.
Wenn er nicht hadert
und mit anderen in Streit gerät,
gibt es an ihm nichts zu tadeln.

Das lebende Wasser

Das Wasser ist ein sehr erhabenes und universelles Symbol für die Kraftradiationen des neuen Lebens. (…) Es ist wirklich lebendes Wasser, das über den Menschen, der den Pfad geht, ausgegossen wird und alle Ansichten seiner Existenz erfüllt. Er wird in diesem neuen Kraftstrom zu einer neuen Schöpfung, zu einem neuen Geschöpf. Er erfährt eine neue Genesis, einen neuen Beginn. Und so wie bei der ersten Genesis Gottes Geist über den Wassern schwebte und ein Firmament schuf inmitten der Wasser, so entsteht auch im Kandidaten ein neues Firmament, sobald das lebende Wasser über ihn ausgegossen wird, nämlich eine neue Lipika, ein neues magnetisches System, wodurch er ein völlig anderes, ein vollkommen neues Persönlichkeitsbewusstsein erhält. Er wird erneut beseelt durch seinen inneren Gott, den Bewirker seiner Rettung. Aber die Voraussetzung ist Durst! Die Seele muss aus Erfahrung, aus Not dürsten; das ist Heilbegehren: »Es dürstet meine Seele nach dir« (Psalm 63) (…)

Zwischen Ihnen und dem Geist des Tals, zwischen Ihnen und dem Gott in Ihnen kann kein Priester stehen und auch keine Geistesschule. Diesen Bund haben Sie selbst in Selbstautorität zu schließen, und was die Geistesschule für Sie tun kann, das geschieht. Die Geistesschule besitzt ein Kraftfeld, angefüllt mit lebendem Wasser, um den Ruf Ihres inneren Gottes: »Neiget eure Ohren her« zu unterstützen. Wenn Sie es ergreifen, wird vom gleichen Augenblick an der Strom des lebenden Wassers auf Sie herabfließen. Dann werden Sie weise, so weise, dass andere sich an Ihrer Glorie trösten und wärmen können. So werden Sie ein Licht auf dem Pfad sein im Dienst der Bruderschaft, damit jeder Irrende und Einsame seinen Herrn finden kann. So nähert sich der Weise Tao. (…)

 

Kapitel 9

Man muss der gefüllten Vase fernbleiben.

Man darf die Schneide einer Klinge nicht berühren.

Man darf einen Saal,
geschmückt mit Gold und Edelsteinen,
nicht behalten wollen.

Wer auf seinen Reichtum stolz ist,
wird Unglück erfahren.

Wenn das Werk vollbracht
und der Name gemacht ist,
muss man sich zurückziehen.
Das ist der Weg des Himmels.

Der verborgene Schlüssel

Die Universelle Bruderschaft hat sich zu allen Zeiten, sowohl beim gesprochenen als auch beim geschriebenen Wort auf das bildende Bewusstsein eines dazu geadelten Lesers berufen. In jeder Zeile einer solchen Schrift ist ein Schlüssel verborgen. Kann ein Leser den Schlüssel erkennen und ergreifen, dann ergibt sich der Sinn der Aussage von selbst. (…)

Im zweiten Brief an Timotheus schreibt Paulus: »So nun jemand sich reinigt, der wird ein geheiligtes Gefäß sein zu Ehren dem Hausherrn, zu allem guten Werk bereitet«. (2. Tim. 2/21). Denken Sie auch an die vielen symbolischen Erzählungen über den Gralsbecher, den geöffneten Kelch, stilisiert als geöffnete Lilie dargestellt, und dann hören Sie Lao Tse sagen: Man muss der gefüllten Vase fernbleiben.
Das ist der Schlüssel! Das Kind Gottes besitzt eine gefüllte Vase, die siebenblättrige Rose, den siebenblättrigen Lilienkelch, den Gralsbecher des Herzens. Weil es diesen heiligen Becher besitzt, ist es ein Kind Gottes. Dieser Becher vertritt das gesamte Königreich Gottes in uns. Im Uratom liegt ein Universum, das All beschlossen. (…)
Wenn Sie so »der Vase« gegenüber die einzig richtige Haltung eingenommen haben, kann es geschehen, dass Sie in Ihrem Dienst für Suchende und Irrende das heilige Wort erkennbar machen dürfen, dass Sie die schönen, serenen Farben und Ansichten der Vase erkennbar machen dürfen, damit die Sucher, durch diese herrliche Verheißung getröstet, einmal den gleichen Weg gehen dürfen und können.

 

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