Die Chinesische Gnosis (17 bis 19)

Kommentare zum Tao Teh King von Lao Tse

Das Wissen dieser Welt ist vergänglich, das Wissen der Seele hingegen ist Weisheit. Über die Menschen, die dananch streben, schreibt Lao Tse in seinem Tao Te King. Lesen Sie ausgewählte Kommentare zu den Kapiteln 17 bis 19 von Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri.

Kapitel 17

Im hohen Altertum wusste das Volk
von den Fürsten nur, dass es sie gab.

Die Fürsten, die danach kamen,
liebte das Volk und pries sie.
Die darauf folgten, fürchtete es.
Die danach kamen, verachtete es.

Wer anderen nicht vertraut,
erlangt auch das Vertrauen anderer nicht.
Die Alten waren langsam und ernsthaft
in ihren Worten.

Wenn sie Verdienste erworben
und die Dinge ausgeführt hatten,
sagte das Volk: Wir kommen von selbst.

Die wahren Arbeiter

Mit einem enormen Tempo eilt Lao Tse durch die Menschheitsgeschichte. Denn es geht ihm nicht um die Geschichte, sondern um das aktuelle Jetzt. (…) In der Periode, in der wir uns jetzt befinden, ist der größte Teil der Menschheit vollkommen von den gnostischen Bindungen gelöst. Sie wurden durch die fortschreitende Kristallisation und Degeneration verraten und vernichtet. Die Masse wird mit einem Surrogat geistigen Lebens umgeben und durchtränkt, welches sie in Wirklichkeit verachtet und dem sie misstraut. (…)

Die ursprünglichen und wahren Arbeiter im Weingarten des Lichtes sind langsam und ernsthaft in ihren Worten. Das bedeutet, sie sprachen und sprechen allein nur das Notwendigste und verlieren sich nicht in Aktivitäten der plätschernden, auf Effekt berechneten Wortspiele. (…) Nur die Tatsachen sprechen und zählen, nur die Wahrheit, die Wirklichkeit befreit. Nur durch die Wiedergeburt der Seele kann man sich über Zeit und Raum erheben.

 

Kapitel 18

Als Tao vernachlässigt wurde,
entstanden Menschenfreundlichkeit
und Gerechtigkeit.

Als der Scharfsinn und das intelligente
Durchschauen an den Tag kamen,
entstand die große Heuchelei.

Als die Familie nicht mehr in Harmonie lebte,
kamen die Elternliebe und die Kindesliebe.

Als die Staaten des Reiches
in Unordnung gerieten,
kamen die getreuen Untertanen.

Gott und Teufel

Wenn an einem neuen Offenbarungstag eine neue Menschheitsperiode beginnt und alle Mikrokosmen eine Reihe neuer Möglichkeiten zum Entsteigen empfangen, dann ist beim Anbruch dieses Tages die Gelegenheit zur Befreiung für alle vollkommen gegeben. Aber diese Chance bleibt nicht offen, denn das ist in einer dialektischen Natur ausgeschlossen. Daher gibt es an jedem Offenbarungstag Geburt, Wachstum, Reife und darauf Sterben. (…) Der Mensch beweist zwei Naturen, er ist potentiell ein Gott und gleichzeitig ein Teufel.

Die Ruhe Ihres Familienlebens und die Liebe zwischen Eltern und Kindern können Sie trösten. Es ist vielleicht der einzige Ruhepunkt, den Sie im Sturm des Lebens besitzen. Aber schätzen Sie diese Norm, die Qualität dieses Zustandes nicht zu hoch ein, denn schlägt Ihr Herz genau so liebevoll für die Familie Ihres Nachbarn? Wie Vogelkäfige sind unsere Wohnungen übereinander und nebeneinander geschachtelt. In vielen Käfigen hört man ein harmonisches Gurren, aber trotzdem machen alle Bewohner mit bei dem großen Streit in der Kerkerhöhle. (…) Sollten Sie sich nicht besser dem Licht selbst zuwenden? Müssen Sie nicht zu Tao zurückkehren, solange es noch möglich ist?

 

Kapitel 19

Brich mit der Weisheit, und verwirf das Wissen,
dann wird das Volk hundertmal glücklicher sein.

Brich mit der Philanthropie
und verwirf die Gerechtigkeit,
und das Volk wird zurückkehren zur Liebe
für Eltern und Kinder.

Brich mit der Gewandtheit und verwirf
die Gewinnsucht, und es wird keine Diebe
und Räuber mehr geben.

Nimm Abstand von diesen Dingen und begnüge
dich nicht mit dem Schein.

Darum zeige ich dir, woran du dich halten musst.
Sieh dich selbst in deiner ursprünglichen Einfalt
und bewahre deine ursprüngliche Reinheit.
Habe wenig Selbstsucht und wenige Begierden.

Das neue Licht der Seele

Brechen Sie im gewohnten Leben zuerst mit der Weisheit und verwerfen Sie das Wissen. Sie haben nur Ihr Seelenlicht auszustrahlen. Das heißt, wenn Sie sich, mit der Kenntnis und der Weisheit der Gnosis geladen, Ihren dialektischen Mitmenschen gegenüberstellen, dann wird man Sie unausstehlich finden. Dann werden Sie Hass erwecken. (…)

Aber mit etwas Menschenkenntnis, etwas Lebenskenntnis und etwas Liebe tun Sie Wunder, getragen durch das neue Licht der Seele. Sie machen die Menschen Ihrer Umgebung auf diese Weise glücklich. In einer solchen Sphäre der Harmonie und des Glücks wird man mehr denn je offen sein für die geistige Lebenshaltung. Darum sagt Lao Tse: Brich mit der Weisheit und verwirf das Wissen. Sei so natürlich wie möglich. Dann wird das Volk hundertmal glücklicher sein. Sie gehen dann den Weg des geringsten Widerstandes, um gerade den Widerstand aufbrechen zu können. (…)
Jeder Mensch besitzt einen bestimmten Typ, einen bestimmten Charakter und einen bestimmten Wert. Wenn Sie das in Selbsterkenntnis erfassen, nicht mit Überschätzung und nicht mit Unterschätzung, dann stehen Sie in der ursprünglichen Einfachheit. Dann kennen Sie Ihren eigenen Typ. Und in der Reinheit dieser Kenntnis müssen Sie sich dann in Einsicht, Heilbegehren, Übergabe des Selbstes und neuer Lebenshaltung – einem Prozess, der schnell gehen kann – der Gnosis nähern.

 

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