Die Chinesische Gnosis (14 bis 16)

Kommentare zum Tao Teh King von Lao Tse

Tao ist das Unsagbare. Wer Tao folgt, der wird innerlich ruhig und still. Er verbindet sich mit der Gnosis. Lesen Sie darüber in den Kapiteln 14 bis 16 des Tao Teh King von Lao Tse mit Erläuterungen von Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri.

Kapitel 14

Blicke auf Tao – und du siehst es nicht;
man nennt es farblos.
Höre auf Tao – und du hörst es nicht;
man nennt es tonlos.
Taste nach Tao – und du berührst es nicht;
man nennt es unstofflich.

Es mangelt an Worten, um diese dreifache
Unbestimmtheit zu kennzeichnen.

Darum verschmelzen sie ineinander.

Tao’s Oberstes ist nicht im Licht,
sein Unterstes ist nicht im Dunkel.

Tao ist ewig und kann nicht
mit einem Namen bezeichnet werden;
es kehrt immer zum Nicht-Sein zurück.

Du näherst dich Tao und siehst seinen Beginn nicht.
Du folgst ihm und siehst sein Ende nicht.

Du musst das Tao des Altertums ergründen,
um über das Bestehen im Heute regieren zu können.
Wer den Beginn zum Ursprünglichen kennt,
hält den Faden Tao’s in den Händen.

Der Faden Taos

Welches ist der Beginn nicht des Ursprünglichen, sondern welches ist der Beginn zum Ursprünglichen, der von allen unseren Vorgängern gefunden wurde? Was sollte der Beginn anderes sein als die Anwendung der fünffachen universellen Gnosis: Einsicht,Heilbegehren,
Übergabe des Selbstes,neue Lebenshaltung und dadurch:
Offenbarung des Faden Tao’s.

Nicht persönliche, existentielle Bindung, sondern elektromagnetische Verbundenheit mit der Gnosis und dadurch das Erwachen, das Bewusstwerden der Seele, des ganz Anderen, das ist der Faden Tao’s, das ist das Angeschlossenwerden an die Kette der Universellen Bruderschaft. Wer diesen Faden mit beiden Händen ergreift, geht von Kraft zu Kraft und von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Er handelt wie die göttlichen, herrlichen verschwundenen Brüder, er handelt wie die von der Erde hinweggenommenen.

 

Kapitel 15

Im Altertum waren die guten Philosophen,
die sich Tao weihten, bescheiden,
subtil, dunkel und tief durchdringend.
Sie waren so tief, dass es nicht
zu verstehen ist.

Aber weil es nicht zu verstehen ist,
will ich mich bemühen,
ein Bild davon zu geben.

Sie waren zaghaft wie einer,
der im Winter einen Strom durchwatet.
Sie waren auf der Hut wie einer,
der seine Nachbarn fürchtet.
Sie waren ernsthaft wie ein Gast
seinem Gastgeber gegenüber.

Sie verschwanden wie schmelzendes Eis.
Sie waren einfach wie unbearbeitetes Holz.
Sie waren leer wie ein Tal.
Sie waren wie trübes Wasser.

Wer kann die Unreinheiten seines Herzens
zur Ruhe bringen?
Wer kann allmählich in Tao geboren werden
durch eine lang bewahrte Gelassenheit?

Wer Tao besitzt,
wünscht nicht,erfüllt zu sein.
Gerade weil er nicht erfüllt ist,
ist er für alle Zeit vor Veränderung bewahrt.

Die göttliche Lebenskraft

Ein Philosoph ist ein Weisheitsforscher. Im ursprünglichen Sinn ist ein Philosoph ein Strebender nach göttlicher Weisheit. Diese göttliche Weisheit ist keine zu der einen oder anderen Form verdichtete Kenntnis. Sie ist kein rätselhaftes, höchst kompliziertes System verborgen in alten untergegangenen Sprachen.

Nein, die Weisheit, die Gnosis ist allgegenwärtig. Sie ist eine Atmosphäre mit einer Vielzahl an Kräften, Elementen und Strahlungen. Die göttliche Weisheit ist fundamental in einem Strahlungsfeld enthalten. Wer in diesem Strahlungsfeld lebt und ein lebendiges Seelenprinzip besitzt, schöpft nicht nur Lebenskraft und transfigurierende Substanz, sondern auch Weisheit daraus. Die Weisheit ist eine Ansicht der göttlichen Lebenskraft, des göttlichen Liebesgeistes.
Das göttliche Prinzip, die Rosenknospe haben Sie im Herzen, und wenn Sie sich diesem Königreich in völliger Selbstübergabe schenken, erhalten Sie fünf neue Eigenschaften: Sie werden bescheiden,
subtil, dunkel, durchdringend und tief.
Der dialektischen Natur nach werden Sie gering, der neuen Natur nach wird Ihr Empfindungsvermögen äußerst verfeinert durch den sich entwickelnden neuen Seelenzustand.
Wer kann die Unreinheiten seines Herzens zur Ruhe bringen? Wer kann allmählich in Tao geboren werden durch eine lang bewahrte Gelassenheit?
Die Antwort der Gnosis:
Sie müssen Ihr Herz dadurch von den Unreinheiten entleeren, dass Sie sie nicht mehr begehren, jedoch ohne Willensanstrengung. Das ist allein möglich durch die Erfahrung der Leere des Naturtreibens, durch die Niedergeschlagenheit der Seele und in dem Wissen, dass es eine Kraft gibt, welche die Seele trösten kann. Dann sendet die Rosenknospe über das Sternum einen Ruf aus, den Ruf des Heilbegehrens. Und die Antwort der Gnosis drängt nach innen wie ein mächtiger Strom. Durch diesen Strom werden Sie gereinigt, geläutert und kommen zur Ruhe, zur Stille.

 

Kapitel 16

Wenn man zur höchsten Leere gelangt ist,
bewahrt man eine unvergängliche Ruhe.

Alle Dinge werden zusammen geboren;
ich sehe sie wieder zurückkehren.

Alle Dinge blühen im Überfluss,
danach kehrt jedes Ding
zu seinem Ursprung zurück.

Zum Ursprung zurückkehren heißt,
in Ruhe sein. In Ruhe sein heißt,
zurückkehren zum ewigen, wirklichen Leben.

Zurückkehren zum Leben nenne ich
ewig währendes Sein.

Wissen, was ewig ist,
heißt, erleuchtet sein.
Nicht wissen, was ewig ist,
heißt, eigenes Elend bewirken.

Wissen, was ewig während ist,
bedeutet, eine große Seele haben.
Wenn man eine große Seele besitzt,
ist man gerecht.

Als Gerechter ist man König.
Als König ist man der Himmel.
Als Himmel ist man Tao.

Als Tao ist man immerwährend.
Wenn auch der Körper stirbt,
es ist keine Gefahr mehr zu fürchten.

Für immer vor Veränderung bewahrt

Der Zustand der höchsten Leere ist der Zustand des Kandidaten, der alle Unreinheiten des Herzens abgelegt hat, das heißt, der das magnetische Sternumsystem vollkommen von Begierden, Spannungen und Konflikten befreit hat. Der Kandidat ist so begierdelos, leer geworden. Wer in einen solchen Zustand eingetreten ist, kann eine unvergängliche Seelenruhe bewahren. Das Seelengleichgewicht kann nicht mehr gestört werden. Es ist für immer vor Veränderung bewahrt. Dann ist die wahre Ruhe als Eigenschaft des Volkes Gottes erlangt. (…)

Diese Reinheit des Herzens, diese höchste Leere ist die Basis für jede Transfiguration, denn sie bringt den gesamten Seelenzustand in die ewige Ruhesphäre der Gnosis. (…)
Seelentransfiguration ist das zuerst Nötige, denn aus der Seele ist das Leben. Darum steht in der Heiligen Schrift so viel über die Rettung der Seele.

 

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