Der sterbliche und der ewige Mensch sind wie Zwillinge, die in einem gemeinsamen Gefährt unterwegs sind. Meistens übernimmt der Sterbliche das Steuer. Doch wenn das Ewigkeitswesen sich in einem Menschen Gehör verschafft, ändert sich die Lebensrichtung.
Das wunderbare „Lied der Perle“, eine manichäische Geschichte aus dem 3. Jahrhundert nach Christus, erzählt, wie es dem irdischen Zwilling geht, wenn der ewige wieder erwacht. Sie schildert genau wie das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn zwei unterschiedliche Zustände des Menschseins und zwei verschiedene Lebenswelten.
Es gibt den ewigen Menschen, den Sohn des göttlichen Vaters und den sterblichen, irdischen Menschen, der seine göttliche Herkunft vergessen hat. Beide gehören zusammen wie Zwillinge. Entscheidend ist, welcher der beiden Zwillinge den Lebensweg bestimmt.
Den Weg bestimmt immer derjenige, der wach ist, der andere Zwilling muss mitgehen. In dieser Welt ist die Persönlichkeit mit ihrem Ichbewusstsein wach. Wenn jedoch der Geist im Menschen erwacht, dann begibt er sich auf die geistigen Pfade, und die Persönlichkeit wird ihm folgen.
Anders gesagt, der Zustand und die Lebenswelt des Menschen hängen davon ab, welche Lebenswirklichkeit ihm bewusst ist. Solange er seine göttliche Herkunft vergessen hat, lebt er in seiner sterblichen Existenz. Sobald er sich wieder erinnert, beginnt ein Bewusstwerdungsprozess, eine Höherentwicklung der Seele, die ihn schließlich in seine göttliche Lichtheimat zurückführt.
Dieser Gesprächsabend ist der erste von insgesamt sieben Abenden der Reihe „Die doppelte Biografie des Menschen – Seine irdische und göttliche Natur“.