Religiöses Geheimwissen, Suche nach Gotteserkenntnis – das sind Gedanken, die manche mit dem Wort Gnosis verbinden. Doch was bedeutet es, Gnosis innerlich zu erfahren? Um das herauszufinden, muss man sich der Quelle zuwenden, aus der die Gnosis entspringt.
Gnostiker kennen zwei fundamental voneinander getrennte Naturordnungen: zum einen die Welt des Lichtes und zum anderen die Welt, in der die Menschen leben und die mit mit ihrem ständigen Wechsel als „dialektische“ – d. h. gegensätzliche, zweipolige – Welt bezeichnet wird. Nichts in der Dialektik ist von Dauer, alles verkehrt sich früher oder später in sein Gegenteil: gut und böse, Tag und Nacht, Frieden und Krieg, Licht und Dunkelheit.
Die Gnosis offenbart sich dem Menschen auf einem inneren Weg, der mit den Vermögen des Ichs weder begriffen noch gegangen werden kann, denn die gnostische Strahlung berührt den Menschen im Herzen. Dort ruht der zentrale geistige Kern seines Wesens: der Geistfunken, das unsterbliche Prinzip im Menschen. Dieser Geistfunken stammt nicht aus der gegensätzlichen Welt, in der der Mensch lebt, sondern aus der Ewigkeit, dem Göttlichen, aus dem auch die Gnosis ist. Deshalb kann die gnostische Strahlung mit dem Geistfunken - der Rose des Herzens, wie es die Rosenkreuzer nennen - korrespondieren.
Wer die innerliche Erfahrung macht, dass sich die gnostische Strahlung in die Rose des Herzens einsenkt und sich der Funke im eigenen Herzen regt, macht ein einschneidendes Erlebnis. Der Mensch, der diesem inneren Vorgang Raum und Aufmerksamkeit schenkt, steht vor der Entdeckung einer neuen, innerlichen Welt. Die gnostische Strahlung setzt einen Prozess der Selbsterkenntnis in Gang, sie schenkt dem Menschen Kenntnis über seine Herkunft und seine Bestimmung – und führt ihn zu geistiger Erkenntnis aus erster Hand.