Wer ist Christian Rosenkreuz?
Christian Rosenkreuz gehört zu den geheimnisvollsten Gestalten der europäischen Geistesgeschichte. Welches Mysterium verbirgt sich hinter diesem Namen?
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Tod und Neubeginn erlebt Christian Rosenkreuz am vierten von sieben Tagen der Alchimischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz. Hier lesen Sie den Urtext des vierten Tages aus dem Einweihungsroman von Johann Valentin Andreae (1616). Innerhalb des Textes finden Sie ausgewählte Kommentare aus der esoterischen Analyse von Jan van Rijckenborgh sowie Links zu weiterführenden Artikeln, die von Schülern des Lectorium Rosicrucianum verfasst wurden.
Um dem Online-Leser die Orientierung zu erleichtern, wurden in den Urtext Zwischenüberschriften eingefügt.
Die Buchausgabe in zwei Bänden ist erschienen bei:
Rozekruis Pers – Haarlem – Niederlande
Teil 1: Dritte, überarbeitete Ausgabe 1997
Teil 2: Zweite, überarbeitete Ausgabe 1991
Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil dieser Texte und Bilder darf in irgendeiner Form durch Druck, Photokopie, elektronische Medien oder irgendein anderes Verfahren ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages reproduziert werden.
Ich lag noch in meinem Bett und betrachtete gemächlich die herrlichen Bilder und Figuren, die rund herum in meinem Gemach waren. Plötzlich hörte ich Musik von Blasinstrumenten, als ob man bereits mit dem feierlichen Umzug begonnen hätte. Mein Knabe sprang aus dem Bett, als ob er von Sinnen wäre, sah auch einem Toten ähnlicher als einem Lebendigen. Wie mir zumute war, lässt sich leicht denken, denn er sagte, die anderen würden bereits dem König präsentiert.
Ich wusste nichts Besseres zu tun, als heiße Tränen zu vergießen und meine Faulheit zu verfluchen. Ich zog mich noch an, als mein Knabe längst fertig war und aus dem Gemach lief um zu sehen, wie die Dinge ständen. Er kam aber bald zurück und brachte die frohe Botschaft, dass noch nichts versäumt wäre, ich hätte nur das Frühstück verschlafen, und man hätte mich, meines Alters wegen, nicht wecken wollen. Jetzt aber sei es an der Zeit, mit ihm zum Brunnen zu gehen, wo die meisten bereits versammelt seien. Nach diesem Trost kehrte mein Geist zurück, ich war daher bald mit meiner Kutte fertig und folgte dem Knaben in den erwähnten Garten, zum Brunnen.
Nachdem wir uns gegenseitig begrüßt hatten und die Jungfrau mich wegen meiner Langschläferei verspottet hatte, führte sie mich an der Hand zum Brunnen. Dort entdeckte ich, dass der Löwe anstatt eines Schwertes eine ziemlich große Tafel trug. Als ich diese nun betrachtete, erkannte ich, dass sie aus den alten Monumenten genommen und zur besonderen Ehre hierher versetzt worden war. Die Schrift war durch das Alter etwas verwischt, ich will sie deshalb so, wie sie ist, hierher setzen, damit jeder darüber nachdenken kann:
Nach so vielen Krankheiten,
die das Menschengeschlecht erleiden musste,
fließe ich, Hermes, hier als Urquell,
auf den Ratschluss Gottes
mit dem Beistand der Künste
und der Medizin heilkräftig gemacht.
Wer es kann, trinke mich,
wer es will, wasche sich,
wer es wagt, trübe mich.
Trinket Brüder und lebet!
Diese Schrift war gut zu lesen und zu verstehen. Sie mag auch wohl deshalb hierher gesetzt worden sein, weil sie leichter als die anderen lesbar war.
Nachdem wir uns erst in dem Brunnen gewaschen und auch jeder mit seiner goldenen Schale daraus getrunken hatte, mussten wir der Jungfrau in den Saal folgen und dort neue Kleider anziehen. Diese waren ganz golden und herrlich mit Blumen verziert.
Es wurde auch jedem von uns ein Goldenes Vlies gegeben, das mit Edelsteinen besetzt war, von denen verschiedene Wirkungen ausgingen, je nach der wirksamen Kraft eines jeden. Daran hing ein schweres Goldstück, darauf Sonne und Mond, sich gegenüberstehend, abgebildet waren. Auf der anderen Seite aber stand dieser Spruch:
Des Mondes Schein wird sein
wie der Sonne Schein,
und der Sonne Schein
wird siebenmal heller sein
als jetzt.
Unser altes Geschmeide aber wurde in eine kleine Truhe gelegt und einem der Diener anvertraut.