Wer ist Christian Rosenkreuz?
Christian Rosenkreuz gehört zu den geheimnisvollsten Gestalten der europäischen Geistesgeschichte. Welches Mysterium verbirgt sich hinter diesem Namen?
mehr über "Wer ist Christian Rose ..."!--paging_filter-->Der Tag der Alchimie – der sechste von sieben Tagen der Alchimischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz – führt in die Laboratorien des Turms von Olympus. Hier lesen Sie den Urtext des sechsten Tages aus dem Einweihungsroman von Johann Valentin Andreae (1616). Innerhalb des Textes finden Sie ausgewählte Kommentare aus der esoterischen Analyse von Jan van Rijckenborgh sowie Links zu weiterführenden Artikeln, die von Schülern des Lectorium Rosicrucianum verfasst wurden.
Um dem Online-Leser die Orientierung zu erleichtern, wurden in den Urtext Zwischenüberschriften eingefügt.
Die Buchausgabe in zwei Bänden mit der vollständigen esoterischen Analyse ist erschienen bei:
Rozekruis Pers – Haarlem – Niederlande
Teil 1: Dritte, überarbeitete Ausgabe 1997
Teil 2: Zweite, überarbeitete Ausgabe 1991
Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil dieser Texte und Bilder darf in irgendeiner Form durch Druck, Photokopie, elektronische Medien oder irgendein anderes Verfahren ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages reproduziert werden.
Am Ende des fünften Tages hatte die alchimische Arbeit im Turm von Olympus für Christian Rosenkreuz und seine Gefährten mit der Herstellung von Essenzen aus Edelsteinen, Kräutern und anderen Stoffen an einem Brunnen begonnen. Das war die Arbeit in der grobstofflichen Sphäre. Nach einer denkwürdigen Nacht beginnt nun der sechste Tag.
Am nächsten Morgen, als einer den anderen geweckt hatte, saßen wir noch eine Weile zusammen, um zu besprechen, was wohl daraus werden würde. Einige meinten, die Enthaupteten würden alle wieder lebendig. Andere widersprachen. Denn es müsste der Untergang der Alten den Jungen nicht nur das Leben, sondern auch die Vermehrungskraft zurückgeben. Einige meinten, sie wären nicht getötet, sondern andere an ihrer Stelle enthauptet worden.
Als wir nun ziemlich lange so miteinander sprachen, kam der alte Mann herein, begrüßte uns und sah nach, ob alle Sachen fertig und die Prozesse genug vorangeschritten waren. Wir hatten uns aber so verhalten, dass er unseren Fleiß loben musste. Dann sammelte er alle Gläser ein und tat sie in einen Behälter.
Bald darauf kamen einige Knaben, die brachten eine Anzahl Leitern, Seile und große Flügel Sie legten alles vor uns hin und gingen davon. Der Alte begann: » Ihr lieben Söhne, von diesen drei Dingen muss jeder von euch an diesem Tag eines ständig bei sich haben. Es steht euch frei, eins davon zu wählen oder wollen wir darum losen?« Wir sagten, wir wollten wählen. » Nein« antwortete der Alte, » es muss durch das Los geschehen.« Daraufhin nahm er drei kleine Zettel. Auf einen schrieb er » Leiter«, auf einen anderen » Seil« und auf den dritten » Flügel«. Diese Zettel tat er in einen Hut, und jeder musste ziehen. Was er zog, das musste er nehmen.
Jene, welche die Seile bekamen, meinten, sie wären am besten dran. Ich aber bekam eine Leiter, was mich sehr betrübte, denn sie war zwölf Fuß lang und ziemlich schwer. Ich musste sie tragen, während die anderen ihr Seil einfach um sich wickeln konnten. An denen, die zur dritten Gruppe gehörten, befestigte der Alte die Flügel so kunstvoll, als wenn sie ihnen angewachsen wären.
Dann drehte er einen Hahn zu, so dass der Brunnen nicht mehr lief und wir mussten ihn aus der Mitte wegräumen. Nachdem alles hinausgetragen war, nahm der Alte das Kästchen mit den Gläsern und verabschiedete sich. Hinter ihm schlug die Tür so hart zu, dass wir meinten, wir wären in diesem Turm gefangen.
Es dauerte jedoch keine Viertelstunde, da wurde oben über uns ein rundes Loch aufgetan, und wir erblickten unsere Jungfrau. Sie rief zu uns hinunter, wünschte uns einen guten Tag und bat uns, heraufzukommen. Die mit den Flügeln kamen ganz schnell durch das Loch hinauf und wir anderen sahen, wozu unsere Leitern gut waren. Nur die mit den Seilen waren übel dran. Denn sobald einer von uns oben war, wurde ihm befohlen, die Leiter hinaufzuziehen. Schließlich wurde das Seil eines jeden an einem eisernen Haken befestigt, und dann musste jeder selbst an seinem Seil hinaufklettern, so gut er konnte, was nicht ohne Blasen abging. Als wir nun alle oben waren, wurde das Loch wieder zugedeckt, und wir wurden von der Jungfrau freundlich empfangen.