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Der fünfte Tag der Alchimischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz

Das Lied der Liebe hört Christian Rosenkreuz am fünften von sieben Tagen der Alchimischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz. Lesen Sie hier den Urtext des Romans mit ausgewählten Kommentaren aus der esoterischen Analyse von Jan van Rijckenborgh und Links zu Artikeln.

Die Nymphen singen am fünften Tag das Lied der Liebe
Die Nymphen singen am fünften Tag das Lied der Liebe

Esoterische Analyse der Chymischen Hochzeit Christiani Rosencreutz anno 1459 von Jan van Rijckenborgh

Das Lied der Liebe hört Christian Rosenkreuz am fünften von sieben Tagen der Alchimischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz. Hier lesen Sie den Urtext des fünften Tages aus dem Einweihungsroman von Johann Valentin Andreae (1616). Innerhalb des Textes finden Sie ausgewählte Kommentare aus der esoterischen Analyse von Jan van Rijckenborgh sowie Links zu weiterführenden Artikeln, die von Schülern des Lectorium Rosicrucianum verfasst wurden.

Um dem Online-Leser die Orientierung zu erleichtern, wurden in den Urtext Zwischenüberschriften eingefügt.

Die Buchausgabe in zwei Bänden mit der vollständigen esoterischen Analyse ist erschienen bei:

Rozekruis Pers – Haarlem – Niederlande
Teil 1: Dritte, überarbeitete Ausgabe 1997
Teil 2: Zweite, überarbeitete Ausgabe 1991

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil dieser Texte und Bilder darf in irgendeiner Form durch Druck, Photokopie, elektronische Medien oder irgendein anderes Verfahren ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages reproduziert werden.


FÜNFTER TAG

Das Grabgewölbe

Die Nacht war vorüber und der liebe, erwünschte Tag angebrochen. Da sprang ich aus dem Bett, mehr begierig zu erfahren, was noch geschehen würde, als dass ich genug geschlafen hatte. Nachdem ich mich nun angekleidet und meiner Gewohnheit nach die Treppe hinunterbegeben hatte, war es noch zu früh, und ich fand niemanden im Saal. Daher bat ich meinen Knaben, mich ein wenig im Schloss herumzuführen und mir etwas Besonderes zu zeigen. Er war auch willig wie immer und führte mich bald einige Treppen unter die Erde zu einer großen eisernen Tür, Darauf waren nachfolgende Worte aus großen kupfernen Buchstaben angebracht:

HIER LIEGT BEGRABEN
VENUS,
DIE SCHÖNE FRAU,
DIE SO MANCHEN HOHEN MANN
UM GLÜCK, EHRE, SEGEN
UND WOHLFAHRT GEBRACHT HAT

Die Inschrift auf der eisernen Tür
Die Inschrift auf der eisernen Tür

Das habe ich abgezeichnet und auf meinem Schreibtäfelchen festgehalten. Nachdem nun diese Tür geöffnet war, führte mich der Knabe an der Hand durch einen völlig finsteren Gang, bis wir wieder zu einer kleinen Tür kamen.

Die war nur angelehnt, denn wie mir der Knabe berichtete, hatte man sie erst gestern geöffnet, um die Särge herauszuholen, und sie war noch nicht wieder geschlossen worden.

Als wir hineintraten, erblickte ich das Allerköstlichste, was die Natur je erschaffen hat. Denn dieses Gewölbe hatte kein anderes Licht sonst als das von einigen übergroßen Karfunkeln, und diese waren, wie mir berichtet wurde, des Königs Schatz. Das Herrlichste und Vornehmste aber, das ich dann sah, war ein Grab, das sich in der Mitte befand und so kostbar war, dass ich mich wunderte, dass es nicht besser bewacht wurde. Darauf erwiderte mir der Knabe: Ich hätte allen Grund, mich bei meinem Planeten zu bedanken, durch dessen Einfluss ich einige Dinge zu sehen bekäme, die keines Menschen Auge sonst je gesehen hatte, außer des Königs Gesinde.

Kommentar 33: Die Bedeutung des Grabgewölbes
...jetzt erst kann die Arbeit der wirklichen Auferstehung beginnen. Dazu steigt er in das Grabgewölbe des Herzens hinab, um als neuer priesterlicher Mensch seinen wiedergeborenen Willen mit dem zu verbinden, was er dort als beseelendes Element vorhanden weiß. Im Herzheiligtum des Menschen, sogar in dem des am tiefsten gesunkenen Menschen, ist eine mächtige, eine alles verwirklichende Kraft verborgen, nämlich die Kraft und die Macht der Liebe, von der gesagt wird, dass sie Gott selbst ist; und über die der 1. Korintherbrief im Kapitel 13 in ein Loblied ausbricht und ein herrliches Zeugnis gibt.
Diese Kraft muss in Wahrheit die Kernkraft des gottmenschlichen Zustandes genannt werden. In der Universellen Lehre wird sie als spiritueller Mittelpunkt des mikrokosmischen Menschen bezeichnet, als Gottesfunke, versunken in der Natur. Die Rosenkreuzer sprechen von der Rose des Herzens; Die alchimische Hochzeit nennt sie Venus...
Dieses Mysterium zu erwecken, ist das Ziel des Fünften Tages. Die Liebe Gottes zu befreien, ist der Auftrag für den neuen priesterlichen Willen. (Jan van Rijckenborgh: Alchimische Hochzei Band 2, S. 119 ff.)

Der Anblick der Venus

Das Grab war dreieckig und hatte in der Mitte einen polierten kupfernen Kessel. Alles andere bestand aus lauter Gold und Edelsteinen. In dem Kessel stand ein Engel, der hielt in den Armen einen unbekannten Baum, aus dem es ständig in den Kessel tropfte. So oft eine Frucht in den Kessel fiel, wurde auch sie zu Wasser und floss weiter in drei goldene Nebenkessel. Diesen kleinen Altar trugen drei Tiere, ein Adler, ein Ochse und ein Löwe. Sie standen auf einem überaus kostbaren Sockel.

Ich fragte meinen Knaben, was das zu bedeuten habe. Er antwortete: »Hier liegt begraben Venus, die schöne Frau, die so manchen hohen Mann um Glück, Ehre, Segen und Wohlfahrt gebracht hat.«

Danach zeigte er mir eine kupferne Falltür und sagte: »Hier können wir, wenn es euch beliebt, weiter hinabgehen.« »Ich folge dir immer«, antwortete ich und ging die Stufen hinab. Dort war es ganz finster. Der Knabe öffnete aber schnell ein kleines Kästchen, in dem ein immer brennendes Licht stand. Daran zündete er eine von den vielen dabei liegenden Fackeln an. Ich erschrak heftig und fragte ernst, ob er das tun dürfe. Er gab mir zur Antwort »Da die königlichen Personen jetzt ruhen, habe ich nichts zu befürchten.«

Da erblickte ich ein kostbar hergerichtetes Bett, von schönen Vorhängen umgeben. Er öffnete einen. Da sah ich Frau Venus, völlig bloß – denn die Decke hatte er abgehoben – in solcher Schönheit und Zartheit dort liegen, dass ich fast erstarrte. Auch jetzt weiß ich noch nicht, ob nur ein geschnitztes Bild oder ein toter Mensch dort lag, denn sie war völlig unbeweglich, auch durfte ich sie nicht berühren. Damit wurde sie wieder bedeckt und der Vorhang zugezogen. Ich aber hatte sie noch immer vor Augen.

Da erblickte ich jedoch hinter dem Bett eine Tafel, darauf stand geschrieben:

WENN DIE FRUCHT MEINES BAUMES
VÖLLIG ZERSCHMOLZEN IST
WERDE ICH ERWACHEN
UND MUTTER EINES KÖNIGS SEIN.

Inschrift hinter dem Bett der Venus
Inschrift hinter dem Bett der Venus

Ich fragte meinen Knaben nach der Schrift. Er aber lachte und versprach, dass ich es noch erfahren sollte.

 

 

 

 

Kommentar 34: Die Bedeutung der Venus
So steigt dann aus dem Gottesfunken und vom Altar des Herzens eine mächtige Strahlung empor, die sich wie ein Baum weit in alle Richtungen verzweigt. Es ist die Radiation der ewigen und allgegenwärtigen, in uns allen versunkenen, universellen, göttlichen Liebe ... Die Urkraft der Liebe, die den Menschen angreift, verursacht einen Prozess der Verzehrung, das ist Umwandlung in Stoff, in Ursubstanz: die »Wassertropfen«, die wegfließen...
Darum verstehen wir jetzt noch besser das Wort aus dem Fünften Tag, das auf einer Tafel bei der noch im Todesschlaf liegenden Venus steht: “Wenn der Baum völlig zerschmolzen ist, werde ich erwachen und Mutter eines Königs sein, nämlich des Gott-Menschen, des König-Priesters.”
Wer in den Prozess der gnostischen Umwandlung und Bewusstwerdung eintritt, tritt also buchstäblich und körperlich in einen alchimischen Transmutationsprozeß ein, einen Prozess im zunehmenden Brand der Liebe, in dem die niederen Metalle in höhere umgewandelt werden, bis schließlich das reine Gold entstanden ist. (Jan van Rijckenborgh: Alchimische Hochzeit Band 2, S. 127-129)

Dann löschte er die Fackel, und wir stiegen wieder hinauf. Da besah ich alle Türen genauer und fand, dass auf jeder Ecke ein Pyritlichtchen brannte, was ich vorher nicht wahrgenommen hatte. Ihr Schein war so hell, dass es eher einem Stein glich, als einem Licht. Von dieser Hitze musste der Baum fortwährend schmelzen, brachte jedoch immer wieder andere Früchte hervor.

Dann sprach der Knabe: »Ich horte, was der Atlas dem König eröffnete: Wenn der Baum, so sagte er, völlig zerschmolzen ist, wird Frau Venus wieder erwachen und Mutter eines Königs sein.«

Als er noch so redete und vielleicht noch mehr sagen wollte, flog der kleine Cupido herbei. Zuerst war er durch unsere Anwesenheit etwas unangenehm berührt. Als er jedoch sah, dass wir beide den Toten ähnlicher waren als den Lebendigen, musste er schließlich selbst lachen und fragte mich, welcher Geist mich hierher gebracht habe. Ich antwortete zitternd, dass ich mich im Schloss verirrt hätte und unabsichtlich hierher gelangt sei. Der Knabe hätte mich schon überall gesucht und endlich hier getroffen. Ich hoffte, er würde es mir nicht böse auslegen.

»Dann steht es noch gut,« sprach Cupido, »mein alter neugieriger Gevatter. Aber ihr hättet mir leicht einen groben Streich spielen können, wenn ihr diese Tür wahrgenommen hättet. Nun muss ich sie besser verriegeln.« Dann legte er ein starkes Schloss vor die kupferne für, durch die wir vorher hinabgestiegen waren.

Ich dankte Gott, dass er uns nicht eher angetroffen hatte, und mein Knabe war noch froher, dass ich ihm aus der schwierigen Lage geholfen hatte. »Ich kann es jedoch nicht ungerächt lassen,« sprach Cupido, »dass ihr meine liebe Mutter fast überfallen hättet« Damit hielt er die Spitze eines seiner Pfeile in eins der Lichte, bis sie ein wenig warm geworden war und stach mich damit in die Hand. Ich achtete wenig darauf sondern war froh, dass es so gelaufen war und wir ohne weitere Gefahr davonkamen.

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Wie Christian Rosenkreuz das Begräbnis der leeren Särge beobachtet

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