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Der dritte Tag der Alchimischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz


Die Mysterien des Rosenkreuzes
Die Mysterien des Rosenkreuzes

Esoterische Analyse der Chymischen Hochzeit Christiani Rosencreutz anno 1459 von Jan van Rijckenborgh

Der dritte von sieben Tagen der Alchimischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz ist der Tag der Prüfungen. Hier lesen Sie den Urtext des dritten Tages aus dem Einweihungsroman von Johann Valentin Andreae (1616). Innerhalb des Textes finden Sie ausgewählte Kommentare aus der esoterischen Analyse von Jan van Rijckenborgh sowie Links zu weiterführenden Artikeln, die von Schülern des Lectorium Rosicrucianum verfasst wurden.

Um dem Online-Leser die Orientierung zu erleichtern, wurden in den Urtext Zwischenüberschriften eingefügt.

Die Buchausgabe in zwei Bänden ist erschienen bei:

Rozekruis Pers – Haarlem – Niederlande
Teil 1: Dritte, überarbeitete Ausgabe 1997
Teil 2: Zweite, überarbeitete Ausgabe 1991

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil dieser Texte und Bilder darf in irgendeiner Form durch Druck, Photokopie, elektronische Medien oder irgendein anderes Verfahren ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages reproduziert werden.


DRITTER TAG
Die Prüfungen

Sobald nun der liebe Tag angebrochen war und die helle Sonne sich über die Berge erhoben und ihr anbefohlenes Amt am Himmel wieder übernommen hatte, begannen meine guten Kämpfer sich von ihren Betten zu erheben und sich allmählich auf ihre Prüfung vorzubereiten. Deswegen kam einer nach dem anderen wieder in den Saal herein, wünschte einen guten Tag und fragte, wie wir die Nacht geschlafen hätten. Als sie nun unsere Stricke sahen, lachten viele uns aus, weil wir uns so verzagt ergeben hätten und es nicht wie sie auf Glück oder Unglück gewagt hätten, obwohl einige, denen das Herz klopfte, nicht so laut darüber redeten. Wir entschuldigten uns mit unserem Unverstand und hofften, wir würden nun bald frei sein und diesen Spott als einen Spaß ansehen können, während sie noch nicht allem entronnen waren und vielleicht die größte Gefahr noch vor sich hatten.

Als sich nun endlich alle wieder versammelt hatten, begann man wie früher zu trompeten und die Pauken zu schlagen. Da glaubten wir, nun würde sich der Bräutigam präsentieren. Das war jedoch ein großer Irrtum. Es war wieder die Jungfrau wie am vorigen Tag. Sie war ganz in roten Samt gekleidet und mit einem weißen Band gegürtet. Auf ihrem Haupt trug sie einen grünen Lorbeerkranz, der ihr trefflich stand. Ihr Gefolge bestand nun nicht mehr aus Lichtlein, sondern aus ungefähr zweihundert geharnischten Männern, die alle wie sie in Rot und Weiß gekleidet waren.

Sobald sie nun vom Stuhl gesprungen war, kam sie zu uns Gefangenen, und nachdem sie uns begrüßt hatte, sagte sie mit wenigen Worten: »Dass etliche von euch ihr Elend erkannt haben, lässt sich mein gestrenger Herr gefallen und will es euch auch genießen lassen.« Und als sie mich in meinem Gewand erblickte, lachte sie und sprach: »Siehe an, du hast dich auch unter das Joch begeben! Ich meinte, du hättest dich so gut vorbereitet?« Mit diesen Worten trieb sie mir die Tränen in die Augen.

Kommentar 13: Der Urteilsbrand im Eingangstempel
So beginnt der dritte Tag mit dem Urteilsbrand im Eingangstempel ... Jeder Kandidat muss imstande sein, auf der Waagschale den sieben Gewichten zu widerstehen. Zweifellos werden Sie erkennen, welche Gewichte das sind. Es sind die sieben Strahlen des Siebengeistes, denen der wahre Kandidat entsprechen muss. Wer auf diese sieben Strahlen nicht positiv reagiert, wird seinem eigenen Seinszustand nach, als Naturgeborener, in die Natur des Todes zurückverwiesen.
Wer sich der Dialektik entziehen will, aber die erforderlichen Eigenschaften noch nicht besitzt, wird immer wieder in die Dialektik zurückgeworfen. Das ist keine Strafe, sondern Gesetz. (Jan van Rijckenborgh: Alchimische Hochzeit Band 1, S. 149)

Die goldene Waage mit sieben Gewichten

Darauf befahl sie, uns loszubinden und an einen Platz zu stellen, von dem aus wir die Waage gut sehen konnten. Dann sagte sie: »Es kann euch noch besser ergehen als einem der Vermessenen, die hier noch ungebunden stehen.«

Unterdessen wurde mitten im Saal eine goldene Waage aufgehängt und ein kleiner, mit rotem Samt bedeckter Tisch aufgestellt, auf den sieben Gewichte gestellt wurden. Zuerst ein ziemlich großes, dann vier kleine für sich und schließlich noch zwei große, auch für sich. Diese Gewichte waren im Verhältnis zu ihrer Größe so schwer, dass es kein Mensch glauben oder verstehen kann. Jeder Geharnischte aber hatte außer einem entblößten Schwert noch einen starken Strick. Sie wurden übereinstimmend mit der Zahl der Gewichte in sieben Rotten aufgeteilt, und aus jeder Rotte wurde einer für sein Gewicht gewählt. Darauf schwang die Jungfrau sich wieder auf ihren hohen Thron. Sobald sie sich nun verneigt hatte, begann sie mit lauter Stimme zu sprechen:

Wer in eines Malers Werkstatt geht
und vom Malen nichts versteht,
jedoch davon redet mit großer Pracht,
der wird von vielen ausgelacht.

Wer sich begibt in einen Künstlerorden
und ist doch nicht erwählet worden
und wirket dort mit großer Pracht,
der wird von vielen ausgelacht.

Wer bei einer Hochzeit bald erscheint
und war doch niemals selbst gemeint,
und kommt doch herein mit großer Pracht,
der wird von vielen ausgelacht.

Wer nun auf diese Waag' gestiegen,
und die Gewichte können ihn nicht wiegen,
fährt er hinauf mit großer Kraft,
der wird von vielen ausgelacht.

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Die Stunde der Wahrheit – das große Wiegen beginnt

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