Es beginnt mit Selbsterkenntnis
Am Anfang dieses Weges steht tiefgreifende Selbsterkenntnis, die zu stets fortschreitender Einsicht in die notwendigen Konsequenzen im Leben führt. Dieser Prozess wird individuell erlebt und verwirklicht und zugleich in einer Gruppe Gleichgesinnter gegangen. Spirituelle Gruppenarbeit ist die aktuelle Methode des Rosenkreuzer-Weges für den modernen Menschen.
Das Samenkorn des Geistes liegt im Herzen des Menschen. Es ist die geheimnisvolle „Rose“ der Rosenkreuzer, aus der die Kraft zum Gehen des Weges empfangen wird. Die Kraft der Rose teilt sich zuerst mit als ein unstillbares Sehnen nach etwas, das nicht von dieser Welt ist und das sich durch nichts aus dieser Welt befriedigen lässt. Mit dem Fortschreiten auf dem Pfad erwächst aus der Rose die Erfahrung eines innereigenen Raumes, in dem sich Stille, Licht und Erkenntnis Gottes (Gnosis) manifestieren. Diese Erfahrung erleuchtet das ganze Wesen mit der Kraft von Liebe und Weisheit und führt zu einer dynamischen Entwicklung.
Der Lebensschwerpunkt verlagert sich
Sobald das aus der Ewigkeit geborene Seelenbewusstsein in einem Menschen erwacht, weiß er sich durch seinen Geistfunken mit dem innersten Wesen aller Menschen eins. Für das Bewusstsein des Erwachten ist dies eine einfache, konkrete Realität. Je mehr er sich dieser Verbundenheit bewusst wird, desto mehr können die Notwendigkeiten, Nöte und Hindernisse seines persönlichen Lebens in den Hintergrund treten. Das ist die Auswirkung einer allmählichen Verlagerung seines Lebensschwerpunktes: Die Seele verbindet sich mit der Lichtkraft und befreit sich dadurch von Problemen, Angst und Egoismus.
Ein solcher Mensch wird zum Bewohner zweier Welten: Er steht mitten in der vergänglichen irdischen Welt und ist zugleich innerlich frei, da er in einem universellen geistigen Lebensfeld atmet. Als Mikrokosmos entstammt er ursprünglich diesem Lebensfeld, und er weiß sich nun aus dem erleuchteten Bewusstsein wieder damit verbunden. Er steht im „Strom des Lebenden Wassers“, im geistigen Lebensprana der neuen Zeit.
Erleuchtung ist nicht das Ziel, sondern die Voraussetzung
Bewusstseinserleuchtung ist für Rosenkreuzer kein Ziel in sich selbst, sondern die Voraussetzung für ein tätiges Leben im Dienst für Welt und Menschheit. Rosenkreuzer führen kein Leben in Weltabgewandtheit oder Einsamkeit, sondern stehen mitten im Leben. Sie sehen aber die Welt und ihren eigenen Lebensauftrag aus einem anderen Blickwinkel und setzen für sich selbst andere Akzente und Prioritäten. Dabei fragen sie ihr Herz: Was dient der Entwicklung von Seele und Geist, und was steht dem entgegen?