
Erwachen aus dem Traum
„Wach sein ist alles" sagt Gustav Meyrink in seinem Buch „Das grüne Gesicht". Aus Meyrinks Sicht sind die meisten Menschen nicht wach, sondern in einem Netz aus Träumen und Betäubungen gefangen, die dem Tod gleichen.
Er schreibt dort: „Ein Jahrtausend und länger haben die Menschen die Naturgesetze studiert. Wohl denen, die begriffen haben, dass das Gesetz des Inneren eine Oktave höher angesiedelt ist. "Wer das erkennt, ist zur Ernte berufen, die anderen bleiben rackernde Knechte.
Blick in eine vergitterte Welt
Wir Menschen sind meist davon überzeugt, wach zu sein. Aber ist das so? Sind wir Menschen nicht eher in einem Netz gefangen, das aus Schlaf gewoben ist, je dichter das Netz, desto tiefer der Schlaf? Die Träumenden unter ihnen sehen mitunter durch die Maschen des Netzes und erblicken eine vergitterte Welt. Das sind aber nur irreführende Ausschnitte, weil das gewaltige Ganze nicht erfasst wird. Aber die Träumer sind zumindest regsam und irgendwie fleißig.
Einige unter diesen werden sich allmählich bewusst, dass sie nur träumen. Deshalb gleichen sie Pionieren, die bis zum letzten Bollwerk vorgedrungen sind. Deshalb sagt Meyrink so eindringlich: „Wach sein ist alles!“ Deshalb ermahnt er: „Sei wach bei allem, was du tust! Glaube nicht, dass du es schon bist!“
Vom Träumenden zum Wissenden
Innerlich ermahnen soll sich der Mensch zu einem Gefühl: „Jetzt bin ich wach!“ Gelingt es, dann weicht allmählich das Gefühl der Betäubung. Es gilt zu bedenken, dass dies vielleicht nur der erste zögernde Schritt ist auf einer langen Wanderung vom Knecht-Sein zum Befreiten, vom Träumer zum Wissenden. Allmählich können die Spannungen und der Schmerz des Gespaltenseins abfallen wie welkes Laub. Meyrink betont: „Lies die heiligen Schriften der Völker.
Durch alle zieht sich wie ein roter Faden die verborgene Lehre vom Wachsein. Von einer Sprosse des immer helleren Wachseins zur anderen musst du steigen, wenn du den wahren Tod überwinden willst.“ Denn dieser besteht aus Schlaf, Traum und Betäubung.