
Jacob Böhme: Dreifaches Leben (Ausschnitt)
„Die Schwermut ist etwas zu Schmerzliches, und sie reicht zu tief in die Wurzeln unseres menschlichen Daseins hinab, als dass wir sie den Psychiatern überlassen dürften,“ mahnte der Philosoph Romano Guardini.
Ein altmodisches Wort: Melancholie. Sagt man heute nicht besser „Depression“ und schluckt dann, möglichst diskret, seine Pillen und Tröpfchen? Die Zahl der „Depressiven“ wächst und wächst. Gibt es überhaupt noch Melancholiker? Nein – würden wohl die meisten Ärzte antworten.
Der Philosoph Romano Guardini (1885‑1968) setzt dagegen: „Die Schwermut ist etwas zu Schmerzliches, und sie reicht zu tief in die Wurzeln unseres menschlichen Daseins hinab, als dass wir sie den Psychiatern überlassen dürften.“ Wie sehr er damit recht hat, kann am Fall des Philosophus teutonicus Jacob Böhme (1575‑1624) dargelegt werden.
In seinem großen Erstlingswerk „Aurora oder Morgenröte im Aufgang“, das 1612/13 erschien, bekennt Jacob Böhme, er sei nach langem Nachdenken schließlich „in eine harte Melancholie und Traurigkeit geraten, als ich anschaute die große Tiefe dieser Welt, dazu die Sonne und Sterne, sowohl die Wolken, dazu Regen und Schnee, und betrachtete in meinem Geiste die ganze Schöpfung dieser Welt.“
Wie kommt es, dass ein junger, angesehener Schuhmachermeister und geliebter Familienvater in eine solche Schwermut, dass ein akademisch ungebildeter Handwerker in einen philosophisch anmutenden Weltschmerz fällt? War ein so offenes Bekenntnis von Niedergeschlagenheit, ja Hypochondrie nicht etwas Ungehöriges?
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