
Ausdruck schöpferischer Kraft: van Goghs Kunst
Er malte wie ein Wahnsinniger und ging zu Grunde: Vincent van Gogh. Mit der schöpferischen Energie, die hinter seiner Malerei steckte, versuchte er die Tür zur Quelle allen Lebens zu öffnen. Doch er konnte den Schlüssel zum Ursprung nicht finden.
Wenn ein Mensch seine ganze Lebens- und Schaffenskraft in die Suche nach dem Ewigen fließen lässt, wie der Maler Vincent Van Gogh, gibt es für ihn nur Auf- oder Untergehen, Befreiung oder Verzweiflung. Van Gogh gab sich völlig dieser Suche nach dem Quell wahrer Schönheit und Vollkommenheit hin und schuf dadurch als Künstler wunderbare Werke. Aber den Schlüssel zum Ursprung allen Lebens, zum wahren Menschsein, konnte er dabei nicht finden.
Ist mein Leben vergeudete Zeit? Diese Frage stellte sich Vincent van Gogh ein Leben lang. Auf dem messerscharfen Grat, am Rande des Absturzes ins Chaos, malte er seine Bilder. In zwölf Jahren fertigte er über 1700 Gemälde und Zeichnungen an. Allein in seinem letzten Lebensjahr malte er über 200 Bilder, das heißt: alle ein bis zwei Tage ein Bild! Und doch verkaufte er in seinem ganzen Leben (1853 bis 1890) nur ein einziges davon, und niemand sah voraus, dass hundert Jahre später ein Bild dieses Künstlers für mehr als 30 Millionen Mark den Besitzer wechseln würde.
Der Drang nach dem Unendlichen
In seinen Briefen und Texten beschreibt Vincent van Gogh sehr eingehend seine dramatischen, verzweifelten Gedanken und Gefühle, aber auch eine tiefe Freude und Schaffenskraft, die ihn antrieb und begleitete: „Eigentlich treibt mich der Drang nach dem Unendlichen, und dieser Drang lässt sich mit nichts vereinbaren, ja, er bedeutet mir: ... die totale Freiheit...! Denn wenn ich nichts tue, wenn ich nicht suche: Dann bin ich verloren, dann wehe mir!“ Auch in seiner ersten Laufbahn als Theologe und Wanderprediger war van Gogh von der tiefen Sehnsucht nach einem unbekannten Ziel durchdrungen, die er auch in allen Menschen und der ihn umgebenden Welt erkannte.
Er stürzte sich als feuriger Schöpfergeist auf die Malerei: „Denn ich, als leidender Mensch, kann nicht auskommen ohne das, was größer ist als ich, das mein ganzes Leben ist: die Schaffenskraft. Es ist wie ein Ur-Drang, der mich antreibt, Bilder zu malen, der mich vorwärts drängt, die Schönheit einzufangen, ja geradezu zu verewigen.“ Van Gogh versuchte, mit seiner schöpferischen Energie eine Tür zur Welt der Schönheit, Wahrheit und Gerechtigkeit zu öffnen, die dem Betrachter seiner Werke eine bedeutendere und tiefere Wahrnehmung erschließen sollte.
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