Der Mystiker Jacob Böhme (1575-1624)
Der idealistische Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling schrieb: „Man kann nicht umhin, von Jacob Böhme zu sagen, er sei eine Wundererscheinung in der Geschichte der Menschheit und besonders in der Geschichte des deutschen Geistes.“
Die kühnen und inspirierenden Gedanken Jacob Böhmes zeigten schon auf seine Zeitgenossen große Wirkung. Das betraf besonders den Landadel und die Ärzteschaft in Schlesien und der Oberlausitz. In Schlesien beeindruckten sie in starkem Maße Abraham von Franckenberg (der Jacob Böhmes erster Biograph wurde) und auch den später berühmten geistlichen Dichter Angelus Silesius.
Zur Rosenkreuzer-Bewegung, die sich ab 1614 stürmisch entwickelte, unterhielt Böhme regen Kontakt. Seine Freunde, zum Beispiel Abraham von Franckenberg und Balthasar Walther, unterstützten ihn dabei mit ihren Beziehungen.
Die Wirkung von Böhmes Schriften im Ausland
Die Theosophie Böhmes verbreitete sich bereits im 17. Jahrhundert in England, in den Niederlanden und in der Neuen Welt (Nordamerika). In England entstand eine breite Böhme-Bewegung. Seine Schriften wurden bereits 1644-1662 ins Englische übersetzt.
Der Naturwissenschaftler Isaac Newton, 1643 geboren, wurde schon in seiner Jugend auf Böhme aufmerksam. Die Erforschung von Newtons Werk hat zutage gefördert, dass eine nachhaltige Wirkung des Schusters Böhme auf den Naturforscher bei der Konzeption seiner Gravitationstheorie bestanden haben muss.
Nach Nordamerika gelangten die Lehren Böhmes durch die englische Gemeinschaft der Quäker unter ihrem Führer William Penn.
Seit 1700 wurden die Schriften Jacob Böhmes von Pierre Poiret in die französische Sprache übertragen. Den Anstoß zu einer Böhme-Renaissance gaben um 1780 die Böhme-Studien des französischen Theosophen Louis Claude de Saint Martin.
Zu den einflussreichen Anhängern von Böhmes Ideen gehörten um 1750 auch der maßgebliche schwäbische Theologe Friedrich Christoph Oetinger sowie um 1800 der romantische Naturphilosoph Franz von Baader. Letzterer bezeichnete Böhme als den „Begründer der Philosophie der Liebe".
In Russland wirkten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Plädoyers, die Saint Martin und von Baader für Böhme verfassten, auf den Zaren Alexander I., der eine auf religiöse Erweckung gestellte Reform anstrebte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die so genannte „geistige Renaissance Russlands" von Denkern wie Wladimir Sergejewitsch Solowjow und Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew mitgetragen, die sich stark von Jacob Böhme beeindruckt zeigten. Berdjajew schrieb: „Von den großen deutschen Mystikern habe ich am allermeisten Jacob Böhme geliebt. Er hatte für mich geradezu überragende Bedeutung.“
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