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Heiligung ist die wahre Kunst des Lebens

Bettina von Arnim (1785-1859)
Bettina von Arnim (1785-1859)

Was Menschen in den besten Momenten ihres Lebens in der darstellenden Kunst an inneren Werten zur Offenbarung bringen, ist „immer ein Buchstabieren des göttlichen ,Es werde' “, erkannte die deutsche Schriftstellerin Bettina von Arnim im 19. Jahrhundert.

Aber wie ist das möglich? Ein Mensch muss sich von vielerlei Trübungen reinigen, damit er eine rechte und tiefe Empfindung in und durch die Kunst gewinnt. Dann darf das Bemühen keineswegs im Äußerlichen stecken bleiben. Wenn Kunst wirklich im höheren Sinn zu dienen beginnt, kann sich der innere Mensch regen und ans Licht treten. Alle Weisheit fordert uns dazu auf. Wer diesen Auftrag ernst nimmt, spürt mit einem Mal innere Schwierigkeiten und Hindernisse.

Der innere Mensch

Die Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik Bettina von Arnim sprach von einer „Verschuldung gegenüber dem inneren Menschen.“ Denn oftmals wird der innere Mensch in seiner Entwicklung unterdrückt und zurückgehalten. Sobald im Leben die vielen Äußerlichkeiten dominieren, kann sich nichts Innerliches mehr regen: Es fehlt ganz einfach die Heiligung im täglichen Leben.

Aber wer hilft bei der Entwicklung des inneren Menschen? Es ist die vom Geist durchdrungene Liebe, die das ermöglichen kann. Durch Sehnsucht geleitet gilt es, Schüler dieser Liebe zu werden. 1811 machte sich Bettina von  Arnim dazu Gedanken und drückte ihre Wahrnehmungen zur Lebenskunst in einer sehr feinen Form aus:

„Die Seele atmet durch den Geist. Der Geist atmet durch die Inspiration. Die Inspiration ist das Atmen der Gottheit. In der Künstlersprache heißt es, es kann nichts Neues erfunden werden, alles ist schon vorher da gewesen. Wir können auch nur im Menschen erfinden. Außerhalb von ihm gibt es nichts. Denn Gott selbst hat keine andere Herberge als den Geist des Menschen. Der Erfinder ist dann die Liebe. Der Mensch kann nichts erfinden, sondern nur sich selbst empfinden, nur erkennen, was der Geist der Liebe zu ihm spricht, wie er sich in ihm nähert und ihn durch sich belehrt.“

Sonne ohne Schatten

Der liebende Geist in der Seele wirkt so als Spiegel der liebenden Gottheit. So sollte es sein. Aber welche Herkulesarbeit an bewusstem Leben ist dabei tagein und tagaus zu verrichten. Der Mensch kann seines Glückes Schmied werden, wenn er sich selbst zubereitet und die Hammerschläge des Schicksals geduldig erträgt. Dann erscheint über seinem Lebensweg eine Sonne, der kein Schatten mehr folgen wird.

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