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Einweihung, Teil 2: Zwei Naturen – drei Einweihungswege


Über das Thema der Einweihung gibt es viel Literatur. Man kann darin Überraschendes, Geheimnisvolles und Unverständliches lesen. Für die Rosenkreuzer gehört das Ringen um innere Erkenntnis über das Mysterium des Lebens zum Prozess der Einweihung.

Ein Eingeweihter ist derjenige, der zum Ursprung durchdringen kann. Für ihn beginnt ein neuer Lebensabschnitt, denn er hat sich den Mysterien des Lebens genähert – er hat sie ent-deckt. Also die Bedeckung entfernt, das weggenommen, was sich zwischen die eigene Wahrnehmung und die Wirklichkeit geschoben hat. Was auf diese Weise entdeckt wird, existierte auch schon vorher. Einweihung ist das Wegschieben eines Schleiers, das Lüften eines Geheimnisses.

Ein Mensch – zwei Naturen

Deshalb gehen viele Einweihungssysteme auch davon aus, dass jeder Mensch Anteil an zwei Naturen hat: Da ist zunächst das irdische Daseinsfeld, die vergängliche Natur. Der Mensch besitzt eine Persönlichkeit, die aus dem irdischen Daseinsfeld stammt. Sie ist mit großen Möglichkeiten und Vermögen begabt, stellt die Krone der natürlichen Evolution dar. Aber sie ist auf eine vergängliche Existenz ausgelegt und Krankheiten ausgesetzt bis hin zum Tod.

Und gleichzeitig existiert im selben Raum eine unsterbliche, göttliche Natur. Der Mensch ist in seinem Innersten ein Geistseelenwesen, das aus der göttlichen Natur hervorgegangen ist. Es inkarniert in einer sterblichen Persönlichkeit, um über ein „Fahrzeug“ zu verfügen, mit dessen Hilfe es in Erscheinung treten und sich ausdrücken kann. Unter Mitwirkung dieses „Fahrzeugs“ strebt es danach, eine Brücke zur Welt des Geistes in sich selbst zu bauen.

Dadurch wird es möglich, dass die natürliche Persönlichkeit der göttlichen Wesenheit begegnen kann und sie erkennt. So entsteht eine Verbindung zwischen der unsterblichen Natur und der vergänglichen Natur.

Drei Einweihungswege

Verschiedene Einweihungssysteme bemühen sich, die natürliche Persönlichkeit auf diese Begegnung vorzubereiten und sie geeignet zu machen für die Offenbarung des göttlichen Wesens in ihrem Inneren. Hierzu werden unterschiedliche Methoden angewandt. Man kann drei grundsätzliche Varianten unterscheiden:

1. Es gibt Systeme, in denen durch Übungen und Mantras das Bewusstsein von der Persönlichkeit abgespalten wird, ähnlich wie es auch im Schlaf geschieht. Von den körperlichen Bedingungen befreit, erhebt sich das Bewusstsein in die Sphären der Astral- und Mentalwelt, um dort Kenntnis aus erster Hand zu gewinnen.

2. Außerdem existieren Systeme, die sich bemühen, die Persönlichkeit in einen Zustand höchster Reinheit und Verfeinerung zu bringen. Sie zu kultivieren, so dass das Licht des Gottesgedankens sich darin spiegeln und ausdrücken kann.

3. Und schließlich gibt es Systeme, die danach streben, die alchemische Verwandlung der natürlichen Persönlichkeit herbeizuführen – bis in jede einzelne Zelle hinein. Auf diese Weise entsteht faktisch eine neue Persönlichkeit. Sie scheint mit der alten identisch zu sein. Aber in Wirklichkeit ist sie von Grund auf anders geprägt. Sie besteht aus Atomen und Substanzen von wesentlich höherer Qualität, als sie sonst in der irdischen Welt gefunden werden.

Der Weg des Rosenkreuzes stützt sich auf dieses dritte Einweihungssystem. Es erscheint in der heutigen Zeit vorteilhafter. Denn die dritte Methode beschreibt einen langsamen, kontinuierlichen Weg und vermeidet Gefahren, die bei den anderen beiden Systemen auftreten- auf dem Weg der Persönlichkeitsspaltung beziehungsweise der Persönlichkeitskultur. Diese beiden Wege waren zu Zeiten sinnvoll, als die Menschen noch nicht so individualisiert waren wie es heute der Fall ist.

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