
Zwei Weggefährten
Unzählbar sind die Aspekte des Miteinanders von Mensch und Tier. Beide sind einander ähnlich und doch verschieden. Sie jagen, töten und verzehren einander und lieben sich doch oft wie Geschwister. Von seinem tierischen Weggefährten kann der Mensch auch lernen.
Der Mensch gleicht dem Tier mehr, als er zugeben mag, und zwar nicht nur, was seine körperliche Beschaffenheit und die entsprechenden Bedürfnisse betrifft. Sein Bewusstsein ist auf die gleichen Schwerpunkte gerichtet wie das Bewusstsein des Tieres: Lebenswille, Selbstschutz und Selbstbehauptung stehen an erster Stelle.
Das Tier folgt seinem inneren Plan
Immer wieder wird behauptet, der Mensch könne denken, das Tier aber nicht. Leider geht man dabei vom menschlichen Maßstab aus. Aber weshalb sollte ein Tier zählen oder mit einem Computer arbeiten lernen? Es untersteht ganz anderen Notwendigkeiten und hat dafür Fähigkeiten mitbekommen, die in vielen Aspekten das Denk- und Begriffsvermögen des Menschen weit übersteigen. Feinste Sinnesorgane zum Beispiel, die auch unter schwierigsten Umständen Orientierung ermöglichen. Oder die subtile Wahrnehmung der Umwelt und unmittelbares Reagieren darauf – und zwar bevor etwas geschieht, nicht erst danach.
Es gibt noch unzählige weitere Beispiele. Die Verhaltensforschung entdeckt fortwährend neue. Genau wie der Mensch ist das Tier für seine Lebensaufgabe ausgerüstet und das auf wunderbare Weise. Und weil das so ist, folgt es seinem eingeprägten Weg bedingungslos und ohne Widerstand. Sein Instinkt treibt es dazu. Er lässt es genau so handeln, wie es dem inneren Plan entspricht. Tut der Mensch das auch? Was ist sein innerer Plan?
Der Mensch sucht seinen Weg
Die Aufgabe des Menschen ist eine völlig andere. Bei ihm geht es nicht nur darum, auf dieser Erde seinen Platz zu finden und ihn auszufüllen. Das ist zwar durchaus auch ein Teil seines Auftrags, aber der vergleichsweise unwichtige. Der Mensch muss vor allem einen Weg finden, der ihn nicht in die irdische Welt und seine eigene irdische Existenz hinein-, sondern über beide hinausführt! Denn hier im Stoff ist nicht seine Heimat, er lebt auf dieser Erde als Fremdling. Er lebt im Exil.
Und das weiß er. Er weiß es nicht mit seinem normalen Tagbewusstsein. Das lässt ihn viele Jahre, ja, viele Leben lang herumirren und in der sichtbaren Welt seinen Weg suchen. Erst wenn er müde ist und immer wieder erkennen muss, dass seine innere Sehnsucht so nicht gestillt werden kann, verspürt er ein neues Wissen. Es liegt tief in ihm verborgen, ist ihm aber noch nicht zugänglich. Es macht sich durch Beunruhigung und Sehnsucht bemerkbar und drängt ihn, dem wahren Sinn seines Lebens nachzuspüren.
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