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Das Mysterium des Grals, Teil 4: Die Gralslegende um Joseph von Arimathia

Die Gralslegende deutet nicht nur auf einen individuellen Weg hin, sondern auch auf einen kosmischen.
Die Gralslegende deutet nicht nur auf einen individuellen Weg hin, sondern auch auf einen kosmischen.

In der Gralslegende um Joseph von Arimathia, aufgeschrieben von Robert de Boron im 12. Jahrhundert, wird das hermetische Bild des heiligen Grals mit der Heilsgeschichte Christi verbunden.

Neben den in Teil 1 bis 3 beschriebenen Überlieferungen der Gralslegende nach Chrestien de Troyes und Richard Wagner gibt es unter anderen noch eine weitere Ausprägung der Gralslegende: die Sage von Joseph von Arimathia. Robert de Boron schrieb im 12. Jahrhundert einen Versroman, die „Erzählung von der Geschichte des heiligen Grals“. Sie verbindet die Gralslegende mit der Heilsgeschichte Christi.
 
Der Gral wird hier als der Kelch dargestellt, den Jesus beim letzten Abendmahl verwandte. In demselben Kelch fing Joseph von Arimathia unter dem Kreuz das Blut Jesu auf. Joseph von Arimathia war auch derjenige, der ein Grab besaß, in das er den Körper Jesu nach der Kreuzigung legte.
 
Er gründete - so heißt es in dem Epos - eine Gemeinde und zog mit ihr in ein fernes Land. Als in der Gemeinde sündhaftes Verhalten auftrat, trennte Joseph die Reinen von den Unreinen, indem er zum gemeinsamen Mahl das Gralsgefäß auf den Tisch stellte. Nur die Reinen vermochten an der Tafel Platz zu nehmen. Joseph setzte 12 Personen zu Hütern des Grals ein. Einer von ihnen wurde „der reiche Fischer“ genannt. Sie zogen im Auftrag Josephs mit dem Gral in den Westen.
 
In den vorangegangenen Ausführungen dieser Artikelreihe über den Gral wurde darauf hingewiesen, dass die Gralslegende mehrere Schichten des Verständnisses beinhaltet und verschiedene Deutungen zulässt. Da sind immer die drei grundsätzliche Ebenen des Verständnisses: der Persönlichkeit, der Seele und dem Geist nach. Das gilt auch für die Sage über Joseph von Arimathia.

Der kosmische Gral

Es gibt nicht nur einen individuellen Weg zum Gral, es gibt auch ein übergreifendes kosmisches Geschehen, durch das der individuelle Weg überhaupt erst möglich wird.
 
Das „ferne Land“, das göttlich-geistige Gebiet, in das die Gemeinde Josephs von Arimathia der Sage nach gezogen ist, umschließt nicht nur individuell jeden Menschen als Mikrokosmos, sondern es umschließt auch die Erde als Kosmos. So wie die Sonne im Osten aufgeht und im Westen untergeht, so wird eine göttlich-geistige Sphäre, ein Kraft- und Lichtfeld um die Erde gezogen und instand gehalten. Es ist die Gralssphäre im Gebiet der Erde.
 
Joseph von Arimathia und die zwölf Gralsritter, von denen gesprochen wird, symbolisieren diejenigen kosmischen Kräfte, die diese Sphäre instandhalten, um für die Menschheit den Weg zum Licht offen zu halten.
 
Manche Gedanken erscheinen der Persönlichkeit vielleicht seltsam und scheinbar schwer verständlich. Für die Seele können sie jedoch die Nahrung sein, nach der sie schon lange verlangt hat. Und für den Geist Gottes, der sich einmal im Menschen offenbaren möchte, bildet eine wissende Seele den Heiligen Gral, in den er sich ergießen kann.

 
Lesen Sie, was vorher geschah:
Das Mysterium des Grals, Teil 1:
Die Schlüsselfrage und die Vision des Hermes Trismegistos
 

Das Mysterium des Grals, Teil 2:
Die Gralsburg, der Gralssucher, und andere geheimnisvollen Figuren

Das Mysterium des Grals, Teil 3:


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