Das Opfer des Seelenvogels
Der rätselhafte Vogel, der im 4. Stockwerk des Turms von Olympus aus dem goldenen Ei geschlüpft war und im 5. Stockwerk von Christian Rosenkreuz und seinen Gefährten gefüttert und aufgezogen wurde, erfährt im 6. Stockwerk die Erfüllung seiner Bestimmung.
Der Turm von Olympus ist der finale Schauplatz der „Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz“ (Alchimische Hochzeit) am fünften und sechsten Tag des insgesamt sieben Tage dauernden Geschehens. In den acht Stockwerken dieses Turms arbeiten CRC und seine Gefährten am OPUS MAGNUM, der großen alchimischen Verwandlung oder Transfiguration des sterblichen Menschen zum unsterblichen, göttlichen Menschen. Ihre Arbeit in den Laboratorien des Turms hat zwei Aspekte. Sie betrifft gleichzeitig die Materie (Außenwelt) und ihre eigene innere Entwicklung (Innenwelt). Bei dem rätselhaften Vogel handelt es sich nicht um ein Tier aus Fleisch und Blut, sondern er ist ein Symbol für die geläuterte, neu geborene Menschenseele, die einen alchimischen Prozess der Veränderung (Transmutation) durchmacht.
Der magische Altar im sechsten Stockwerk
Das Geschehen der Alchimischen Hochzeit ist nun in die Endphase eingetreten. Nachdem die Jungfrau Alchymia – der jungfäuliche Geist im Menschen – sich mit „ihrem“ blauen Vogel entfernt hat, werden Christian Rosenkreuz (CRC) und seine Gefährten in das 6. Stockwerk gerufen. Mit großer Beklemmung sieht er dort den magischen Altar stehen, den er bereits am 4. Tag der Chymischen Hochzeit im Königssaal bestaunt hatte, als er zum ersten Mal mit den drei Königspaaren konfrontiert wurde. Auf dem Altar befinden sich sechs Gegenstände:
- ein mit schwarzem Samt und Gold beschlagenes Buch
- eine brennende Kerze
- ein Uhrwerk, auf dessen Dach
- ein kleiner Springbrunnen mit blutrotem Wasser sprudelt
- ein sich selbsttätig drehender Himmelsglobus
- ein Totenschädel, in dem sich eine weiße Schlange windet
Als Siebtes sieht CRC den blauen Vogel hinter dem Altar stehen. Sieben ist die Zahl der Erfüllung, die Summe der Eigenschaften der ersten sechs. Der Seelenvogel bringt hier also sein Werk zur Erfüllung. Er nimmt nun einen tiefen Zug von dem blutroten Wasser und pickt dann auf die Schlange, bis diese stark blutet. Die Gefährten müssen dieses Blut in einer Schale auffangen und dem widerstrebenden Vogel in die Kehle gießen. Dann tauchen sie den Kopf der verwundeten Schlange in den Brunnen, worauf diese wieder zum Leben kommt und in ihrem Totenschädel verschwindet. Während dessen hat sich der Globus immerfort weitergedreht, und das Uhrwerk schlägt dreimal. Beim dritten Schlag legt der blaue Vogel freiwillig und demütig seinen Hals auf das Buch und lässt sich durch einen der Gefährten den Kopf abschlagen.
Die magischen Geschehnisse im 6. Stockwerk enden schließlich mit der Veraschung der Vogelleiche. Dazu wird auf dem abgeräumten Altar mit dem Licht der Kerze und unter Beigabe einer Tafel, die dort gehangen hatte, ein Feuer entzündet. Die Asche wird mehrmals gereinigt und in einem Kästchen aus Zypressenholz geborgen.
Was geht hier vor? Was haben diese äußerst merkwürdigen und verschlüsselten Geschehnisse zu bedeuten?
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