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Wo liegt das wahre Leben verborgen?
„Das Leben ist nur der Traum eines Traumes, aber wach sein ist anderswo“, hat Rainer Maria Rilke zu seiner Zeit erkannt. Auch der Schriftsteller Hermann Hesse spürte, dass die wahre Bestimmung des Menschen im Herzen verborgen liegt.
Was ist das wahre Leben? Eine Frage, die in der Zeitspanne, die einem Menschen auf der Erde zugemessen ist, immer mal wieder in seinem Bewusstsein auftaucht. Manche ignorieren die Frage, andere folgen ihr – vergessen sie aber auf halbem Weg oder verlieren sich im Dschungel der Antworten. Die Reize und Ablenkungen, die die Welt bietet, sind groß, und es bedarf eines tiefen, inneren Drängens im Herzen eines Menschen, damit die ganze Aufmerksamkeit sich auf die Beantwortung dieser einen Frage richtet.
Der Dichter Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) drückte es so aus: „Das Leben ist nur der Traum eines Traumes, aber wach sein ist anderswo.“ Er spürte innerlich, dass der äußere Tumult der Welt nicht das wahre Leben sein kann. Jeden Menschen begleiten sein Leben lang Wegweiser am Wegesrand, die ihn darauf aufmerksam machen wollen. Oftmals bemerkt er sie um so deutlicher, je jünger er ist. Später, wenn er älter wird, sind sie ihm so vertraut geworden, dass er sie immer weniger, manchmal gar nicht mehr sieht.
Diese Wegweiser können harte Schicksalsschläge sein, genauso wie wunderbare Erlebnisse, durch die der Mensch die Vergänglichkeit der Welt erfährt. Ein Wegweiser kann zum Beispiel auch das tief berührende Singen einer Nachtigall sein oder eine Sehnsucht aufrufende andere Melodie, die im Herzen des Menschen eine Saite zum Schwingen bringt, die im hektischen Alltag oft unbeachtet bleibt. Diese Hinweise im Leben eines Menschen wenden sich an die Urerinnerung, die im Herzen des Menschen schlummert. Es ist das letzte Überbleibsel aus der göttlichen Welt, das sich dem Menschen mitteilen und ihn an seine wahre Aufgabe, an seine göttliche Berufung, erinnern will; sie will ihm die Rückkehr nach Hause weisen.
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